Die Nutzfahrzeugindustrie gehört zu denjenigen Branchen, die jederzeit für Überraschungen sorgen können. Im Kampf um eine gute Marktposition auf allen wichtigen Märkten der Welt müssen sich die einzelnen Hersteller mächtig anstrengen, um die Gunst der Kundschaft zu erhalten und neue Kundenkreise zu erobern. Dazu kommt, dass die Umweltproblematik die Nutzfahrzeughersteller zwingt, möglichst ökologische und ökonomische Fahrzeuge zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Verbrennungsmotoren erzeugen nun einmal Schadstoffe, doch deren Emissionen können und müssen weiter reduziert werden. Die Hersteller haben bereits erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Verbrauch und damit die Emissionen von Lieferwagen und Lastwagen in den vergangenen zehn Jahren deutlich zu senken. Diese Bemühungen werden aber durch die höheren Absatzzahlen teilweise wieder kompensiert.

Zu berücksichtigen ist auch, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, auf der Suche nach optimalen Lösungen im Motorenbereich und im Fahrzeugbau in den letzten Jahren enorm zugenommen haben. Heute ist ein Milliardenaufwand nötig, um Fahrzeuge für die Zukunft zu entwickeln. Ein Ausweg aus diesem «Dilemma» ist die Zusammenarbeit zweier oder mehrerer Hersteller im Bereich F&E sowie in der Entwicklung von Motoren und Aggregaten. Warum muss jeder Hersteller für sich allein an optimalen Motorkonzepten, an neuen Antriebssystemen und an leichteren und damit leistungsfähigeren Fahrzeugen arbeiten, wenn auch gemeinsam Lösungen gefunden werden können?

Jüngstes Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen den beiden führenden Fahrzeugherstellern DaimlerChrysler und Fiat Group im Motorenbereich. Durch gemeinsame Produktion oder Belieferung und damit eine geringere Fertigungstiefe für die beteiligten Hersteller lassen sich heute weitaus grössere Kostensynergien realisieren als durch eine Zusammenlegung oder sogar Fusion einzelner Firmen. Mit einer sogenannten Cross Border Fusion lassen sich Kostensynergien auf der Ebene von Aggregaten und Komponenten erzielen und gleichzeitig können neue Absatzregionen erschlossen werden, die jeder einzelne der Partner aus Kapazitätsgründen nicht erschliessen könnte. Solche Zusammenarbeitsvereinbarungen gibt es bereits eine ganze Reihe, sowohl in der PW- wie der Nutzfahrzeugproduktion. Derartige Vereinbarungen tangieren auch die Wettbewerbsverhältnisse in keiner Weise, jeder Hersteller muss für sich um Marktanteile kämpfen.

Anzeige