Das «St. Galler Tagblatt» und die «Neue Luzerner Zeitung» gehen fast ganz in den Besitz der NZZ über. Die Zürcher Mediengruppe übernimmt die Anteile der Publigroupe, welche die Verkaufsabsichten für ihre Beteiligungen an Zeitungsverlagen schon länger bekundet hatte.

Für die etwas über 25 Prozent an der FPH Freien Presse Holding, welche nun die Hand wechseln, zahlt die NZZ der Publigroupe nach Angaben vom Montag 53 Millionen Franken.

Die FPH ist Mehrheitsaktionärin der St. Galler Tagblatt AG und der LZ Medien Holding, zu welchen neben den Tageszeitungen auch Gratisanzeiger, Online-Plattformen sowie Radio- und Fernsehsender gehören. Bisher besass die NZZ knapp 75 Prozent der FPH-Aktien, womit sie die beiden regionalen Medienhäuser bereits kontrollierte.

Aktionäre der Publigroupe müssen zustimmen

Da Tamedia unlängst ein Übernahmeangebot für die Publigroupe gemacht hat, müssen dem Verkauf des FPH-Aktienpakets noch die Aktionäre der Publigroupe zustimmen. Tamedia ist aber ohnehin nicht an den Verlagsbeteiligungen interessiert – als das Medienhaus ihr Kaufinteresse anmeldete, liess es klar durchblicken, ihr Auge hauptsächlich auf die Internetplattform Local.ch geworfen zu haben, welche die Publigroupe gemeinsam mit der Swisscom betreibt.

Anzeige

Neben der Beteiligung an der FPH Freien Presse Holding besitzt die Publigroupe noch weitere Anteile an Schweizer Verlagshäusern. So gehören dem Konzern ein Fünftel der Südostschweiz Presse und Print AG und 29 Prozent an der SNP Société Neuchâteloise de Presse S.A. mit den Zeitungstitel «L'Impartial» und «L'express». Weiter hält die Publigroupe nach eigenen Angaben auch 18 Prozent an der Tessiner Regiopress («La Regione Ticino») und 17 Prozent an Rhône Media («Le Nouvelliste»).

Publigroupe-Sprecher Beat Werder konnte auf Anfrage nicht weiter präzisieren, ob es bereits Gespräche über die Veräusserung dieser Beteiligung gebe.

Der nun angekündigte Verkauf der FPH-Beteiligung indes wird im laufenden Jahr die Konzernrechnung der Publigroupe belasten. Ein Goodwill-Abschreiber drückt dabei das Jahresergebnis um 24 Millionen Franken, wie aus der Mitteilung der Publigroupe hervorgeht. Auf das Eigenkapital dagegen wird sich die Transaktion leicht positiv auswirken, da der Goodwill einst gegen das Eigenkapital verrechnet worden ist.

Vereinfachung der Gruppenstruktur

Der NZZ-Gruppe ermöglicht die Vollübernahme der FPH dagegen eine Vereinfachung der Gruppenstruktur. Sie bezeichnet den Kauf der Minderheitsbeteiligung denn auch als Stärkung ihrer Marktposition in der Ost- und der Zentralschweiz.

Wann die Aktionäre der Publigroupe über den Verkauf der Beteiligung am «St. Galler Tagblatt» und der «Neuen Luzerner Zeitung» befinden, steht derzeit noch nicht fest. Eine ausserordentliche Generalversammlung ist nämlich auch nötig, um über das Angebot der Swisscom zu befinden, welche von der Publigroupe gerne die andere Hälfte an Local.ch übernehmen würde.

Da Tamedia ihr Übernahmeinteresse an der ganzen Publigroupe bereits vor dem Angebot der Swisscom angemeldet hat, ist für einen Verkauf der Local.ch-Anteile ein Entscheid der Aktionärsversammlung notwendig.

Anzeige

(sda/me)