100 Mio Dollar stellt ein Konsortium von prominenten Investoren der von zwei Zürchern gegründeten Devisenhandelsplattform Oanda zur Verfügung. Einer der Grossinvestoren ist die Cascade Investments, wie Oanda-Mitgründer Richard Olsen Recherchen der «Handelszeitung» bestätigt. Was viele nicht wissen: Cascade ist die private Investmentfirma von Bill Gates. Über dieses diskrete Finanzvehikel beteiligte sich der Multimilliardär bereits im Februar 2007 an der Hotelkette Four Seasons. Weitere grosse Positionen hält Cascade unter anderem an der Canadian National Railway sowie an der bekannten Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von Bill Gates Freund Warren Buffett.

*Grössere Firmen im Visier*
«Wir hatten viele Anfragen von Investoren, die bei uns einsteigen wollten», erklärt Olsen. «Wir wollen künftig vermehrt auf den Radarschirm von grösseren Firmen kommen. Da ist es gut für uns, dass nun internationale Top-Namen bei uns finanziell dabei sind.»
«Mit dem von Bill Gates und den übrigen Mitgliedern des Konsortiums investierten Geld stärkt Oanda ihre Eigenkapitalbasis. «Gerade für institutionelle Anleger ist es wichtig, dass wir eine starke Gegenpartei sind.» Schon heute sei die Plattform «hoch profitabel», versichert Olsen. Von schnellem Gewinn will er aber nichts wissen. «Wir bauen unser Unternehmen langfristig auf und haben uns zum Ziel gesetzt, Innovation in die Finanzwelt zu bringen.»

*Handeln wie die Profis*
«Zusammen mit seinem Schulfreund Michael Stumm entwickelte Richard Olsen, der an der Universität Zürich Jura und in Oxford Wirtschaft studierte, bereits 1996 die erste vollautomatisierte Devisenhandelsplattform der Welt. Olsens Firmenpartner Stumm lebt heute in Toronto.
«Über Oanda können Privatanleger handeln wie Profis. Dank tiefer Transaktionskosten ist die Handelsplattform in der Lage, auch kleinste Beträge von nur 1 Dollar mit dem gleichen Geld- und Briefkurs zu handeln wie Grosstransaktionen von über 10 Mio Dollar. Ausserdem zahlt Oanda den Kunden für Einlagen Zins im Sekundentakt. Ein Privileg, in dessen Genuss sonst nur grosse Investoren kommen.
«Der Devisenhandel sei das Rückgrat der Weltwirtschaft, dennoch werde an diesem Markt oft mit veralteten Methoden gearbeitet, stellt Olsen fest. In seiner zweiten Firma, die ihre Büros im Zürcher Seefeldquartier unterhält, sammelt eine Forschergemeinschaft Tag für Tag Tausende von Währungsdaten und erstellt mit Computermodellen Devisenprognosen. Ebenso wie Meteorologen mittels Daten das Wetter prognostizieren, versuchen Olsen und sein Team durch das Studium von Währungsinformationen die Strömungen im Devisenmarkt zu analysieren. Olsen ist überzeugt, dass die Computer- und Internettechnologie die Finanzmärkte grundlegend verändert. Durch die Automatisierung von Abläufen könnten die Transaktionskosten gesenkt werden. Dies habe zur Folge, dass sich die Zahl der global gehandelten Finanzinstrumente deutlich erhöhe.

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