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Obama und JPMorgan-Aktionäre melden sich zu Wort

Auf der Hauptversammlung von JPMorgan musste sich CEO James Dimon einige Kritik anhören. (Bild: Keystone)

Der jüngste Milliardenverlust von JPMorgan ist Wasser auf die Mühlen von US-Präsident Obama. Der Frust in der Bevölkerung über das Gebaren der Wall Street könnte ihm im Wahlkampf wichtige Wählerstimme

Veröffentlicht am 15.05.2012

Angesichts des milliardenschweren Spekulationsverlusts von JPMorgan mehren sich die Forderungen nach schärferen Beschränkungen für die Wall Street. Nun hat sich auch US-Präsident Barack Obama zu Wort gemeldet und Werbung für seine stockende Finanzmarkt-Reform gemacht.

«JPMorgan ist eine der am besten geführten Banken, die es gibt. Ihr Chef Jamie Dimon ist einer der klügsten Banker, die wir haben. Trotzdem haben sie 2 Milliarden Dollar verloren und es könnte noch mehr werden», sagte Obama in einer Sendung des US-Senders ABC, die am Dienstag ausgestrahlt wurde. Bei einer schwächeren Bank «hätten wir vielleicht eingreifen müssen», erklärte Obama. «Das ist genau der Grund, weshalb eine Wall-Street-Reform so wichtig ist.»

James Dimon vor allem gegen «Volcker Rule»

«Wir sind nicht gegen Regulierung», sagte Bankchef Dimon auf der Hauptversammlung in Florida. Der mächtigste Banker des Landes hatte sich in der Vergangenheit wiederholt gegen einen allzu starken staatlichen Einfluss ausgesprochen. Er widersetzte sich vor allem der sogenannten «Volcker Rule», die den Banken das Zocken mit eigenem Geld verbieten soll. Dimon erläuterte, die Banken müssten am Finanzmarkt agieren dürfen, um ihre Risiken abzusichern.

Derartige sogenannte Absicherungsgeschäfte hatten zu dem Spekulationsverlust von 2 Milliarden Dollar geführt, der die Bank seit Tagen durchrüttelt und den Aktienkurs einbrechen liess. Dimon versicherte, dass die Bank weiterhin stark sei: «Wir können Krisen und Rückschläge wie diese verkraften.» Ein Aktionär wollte wissen, ob die Dividende durch das Debakel in Mitleidenschaft gezogen werde. «Ich hoffe natürlich nicht», entgegnete Dimon.

Manager gleichzeitig eigene Kontrolleure

Auf der Hauptversammlung musste sich Dimon einige Kritik anhören, die aber letztlich folgenlos blieb. «Mr. Dimon, glauben Sie immer noch, dass sich die Banken selbst regulieren können?» wollte ein Aktionärsvertreter wissen. Am Ende scheiterte aber der Vorschlag eines Pensionsfonds, Dimons Machtfülle zu beschneiden.

Nur eine Minderheit der Aktionäre stimmte dafür, die Rollen des Konzernchefs und des Verwaltungsratsvorsitzenden zu trennen. Bei US-Unternehmen ist es anders als in der Schweiz üblich, dass die Manager gleichzeitig ihre eigenen Kontrolleure sind.

Die Hauptversammlung verlief insgesamt weniger turbulent als viele Beobachter im Vorfeld erwartet hatten. Dimon bekam nach seiner Entschuldigung («Das hätte niemals passieren dürfen») Applaus im Saal. Die gesamte Aktionärsversammlung dauerte lediglich 50 Minuten. Bis zum Dienstagmittag (Ortszeit) stieg die gebeutelte Aktie der Bank wieder um 2 Prozent.

Börsenaufsicht und Justizministerium ermitteln

Die grösste Gefahr droht JPMorgan eher von staatlicher Seite. Nachdem sich bereits die Notenbank Fed, die Börsenaufsicht SEC und weitere Regulierer eingeschaltet hatten, habe nun auch das US-Justizministerium Ermittlungen aufgenommen, berichteten US-Medien unter Berufung auf eingeweihte Personen. Es sei aber unklar, nach was die Ermittler genau suchten, schrieb das «Wall Street Journal».

Nach der verhängnisvollen Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 hatte der Steuerzahler zahlreiche andere Finanzkonzerne vor dem Untergang retten müssen wie den einst weltgrössten Versicherer AIG .

In der Folge brachte Obama den «Dodd-Frank Act» auf den Weg - ein Gesetzespaket, das der Wall Street Zügel anlegen sollte. Doch Bank-Lobbyisten haben die Reform durchlöchert und die Republikaner sie mehrfach blockiert.

So steht immer noch die Verabschiedung der «Volcker Rule» aus. Der Spekulationsverlust von JPMorgan hat nun den Befürwortern dieser Regel in Washington Auftrieb gegeben. Bankchef Dimon musste selbst einräumen, dass er der Gegenseite Munition geliefert habe.

(aho/awp)

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