Seit ein paar Wochen stellen Finanzexperten die guten Jahresergebnisse der Banken wegen der Kreditkrise in Frage. Ganz anders war dies letztes Jahr, als die Banken versuchten, sich gegenseitig mit Managementgehältern zu übertrumpfen. Aber war die Euphorie gerechtfertigt? Im Finanzsektor werden in guten Jahren Rekordgehälter gezahlt, obwohl eigentlich alle Beteiligten wissen, dass die Konjunktur der Haupttreiber des Jahresergebnisses ist – und nicht unbedingt die Leistung der Führungskräfte. Denn auch in den besten Jahren liegt die Leistung der Hälfte aller Geschäftsleitungen unter dem Durchschnitt. Es wäre kaum gerechtfertigt, allen Beteiligten auf die Schulter zu klopfen.

Vier Segmente

Richtig wäre die marktorientierte Sicht, welche die Leistung eines Unternehmens relativ zu Vergleichsunternehmen im gleichen Segment beurteilt. Die CFO Intelligence Force Obermatt aus Zürich hat hierzu die grössten Schweizer Banken mit einer Bilanzsumme von jeweils über 5 Mrd Fr. auf die drei wesentlichen Leistungskennzahlen im Bankenbereich hin untersucht: Wachstum (Net Income Growth), Profitabilität (Cost/Income Ratio) und Eigenkapitalrendite wurden mit internationalen Banken verglichen, welche sich im gleichen Segment befinden. Das vorliegende Global Competition Ranking unterscheidet die Segmente Private Banking, Investment Banking, Asset Management und Retail & Commercial Banking. Die Schweizer Banken sowie die Geschäftsbereiche der Grossbanken wurden einem dieser vier Segmente zugeordnet. Die Kantonalbanken wurden trotz ihres teilweise breiten Portfolios dem Retail & Commercial Banking zugeordnet.
Damit die Banken verglichen werden können, ermittelten die Finanzanalysten von Obermatt für jede Bank, welchen Rang sie im internationalen Vergleich auf einer Skala von 0 bis 100% erzielt. Die Bewertung erfolgt in Form von Prozenträngen, die Perzentil genannt werden. Ein Rang von 60%, also eine Leistung im 60. Perzentil bedeutet, dass 60% der Vergleichsbanken schlechter waren als die zu beurteilende Bank. Mit Hilfe dieser internationalen Rangfolge lassen sich Bankinstitute in unterschiedlichen Geschäftssegmenten direkt miteinander vergleichen. Im Global Competition Ranking sind dann jeweils die Schweizer Institute aufgeführt, sodass man diese direkt untereinander vergleichen kann.

Gute Ergebnisse

Das Resultat ist sehr erfreulich. Im internationalen Vergleich arbeiten 37 Schweizer Banken besser als der Durchschnitt und 18 Banken befinden sich sogar global im obersten Viertel (ein Wert von 75% und höher im Ranking). Auf den vordersten Plätzen rangieren Banken aller Segmente mit Ausnahme des Asset Management. Die Asset-Management-Divisionen der Credit Suisse und von Vontobel entwickelten sich im betrachteten Zeitraum sogar sehr schwach und auch die UBS vermag mit der Leistung ihres Asset Management nicht zu überzeugen. Die Top-Leistung erbringt die Credit-Suisse-Investment-Banking-Division, welche ein sehr starkes Wachstum verzeichnete und gleichzeitig ihre Ertragskraft und Profitabilität weiter verbessern konnte. Auf den Ehrenplätzen des Obermatt Global Competition Rankings befinden sich die beiden Privatbanken Clariden Leu und Coutts Bank von Ernst.

Alle Banken

Aber nicht nur Privatbanken prägen das Bild an der Spitze, auch Retailbanken belegen sehr gute Ränge. Dabei spielt die Grösse der Bank eine untergeordnete Rolle. Gemessen an der Bilanzsumme sind die zur Bâloise-Gruppe gehörende Baloise Bank SoBa (vierter Rang) oder auch die Aargauische Kantonalbank (fünfter Rang) kleine Retailbanken, die sich während dem vergangenen Jahr jedoch hinsichtlich der betrachteten Kennzahlen enorm verbessern konnten. Auch die Zürcher Kantonalbank belegt im 84. Perzentil einen zufriedenstellenden neunten Rang. Das Gros der Kantonalbanken befindet sich jedoch im Mittelfeld des Ranking, einige erbrachten sogar unterdurchschnittliche Leistungen. Trotz sehr guter Kosten-Ertrags-Verhältnisse wuchsen diese Kantonalbanken im internationalen Vergleich zu wenig und generierten auch nicht so hohe Eigenkapitalrenditen wie ihre europäische Konkurrenz.

Credit Suisse «top und flop»

Was bedeutet das Competition Ranking nun in der Praxis? Gerade in der Finanzbranche ist es oft sinnlos, die Leistung mit einem im Voraus vereinbarten Ziel oder Budget zu vergleichen. Weil das Ergebnis so stark börsenabhängig ist, macht der Leistungsvergleich gegenüber anderen Banken im selben Segment viel mehr Sinn. Gratulieren sollte man sich nur dann, wenn man zumindest in der oberen Hälfte oder im obersten Viertel der Vergleichsunternehmen abschliesst. Diese Perspektive bietet insbesondere den Vorteil, dass unterschiedliche Geschäftsbereiche direkt miteinander verglichen werden können. Auch der Aktienkurs hat keinen störenden Einfluss auf das Ergebnis.
Das Resultat ist ein ziemlich guter Spiegel der operativen Leistung einer Bank. Denn wenn die Private-Banking-Division das 25. Perzentil erreicht, ist das genauso gut, wie wenn die Kommerzabteilung im 25. Perzentil abschliesst. Das gilt unabhängig von konkreten Wachstums-, Cashflow- oder Renditezahlen, die notgedrungen in diesen beiden Bereichen ganz unterschiedlich sein müssen.
So dominiert beispielsweise die Investment-Banking-Division der Credit Suisse ihre zurzeit schwache Asset-Management-Division. Während das Investment Banking die Goldmedaille für seine Entwicklung zwischen 2005 und 2006 erhält, belegt das Asset Management den letzten Platz. Die Investment-Banking-Division wuchs stark, hatte die Kosten im Griff und erzielte eine Steigerung in der Eigenkapitalrendite. Demgegenüber schrumpf-te das Asset Management. Der Geschäftsbericht der Credit Suisse liefert dazu zwar Indizien, dass jedoch das Resultat so deutlich ausfällt, lässt sich erst anhand des direkten Vergleichs mit der globalen Konkurrenz zeigen. Im Weiteren ist ein Vergleich zwischen den beiden Grossbanken interessant: Abgesehen vom bereits angesprochenen Asset Management werden die Ergebnisse der UBS in den Bereichen Private Banking und Investment Banking klar von denen der Credit Suisse übertroffen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bestrebung der Credit Suisse, als integrierte Bank am Markt aufzutreten, zumindest in zwei der drei Divisionen erste Früchte trägt.

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Hermann J. Stern, Dr. oec. HSG, Geschäftsführer, CFO Intelligence Force, Obermatt; Martin Schmid, Finanzanalyst, Obermatt.

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Leistungsmessung

Falsche Signale werden erkannt

Marktorientiert
Das Global Banking Competition Ranking basiert auf der marktorientierten Leistungsmessung, die Leistung nicht als Budgetabweichung oder im Vergleich zur Vergangenheit beurteilt, sondern gegenüber aktuellen Marktentwicklungen, dem operativen Index. Dies ist erst seit der breiten Verfügbarkeit von Finanzdaten möglich, die es nun erlauben, die Unternehmensleistung im globalen Wettbewerb zu beurteilen. Die Vorteile der marktorientierten Leistungsmessung sind das Erkennen von falschen Signalen in Bilanz und Erfolgsrechnung, das Schliessen von Wertlücken und die Identifikation von Outperformance-Faktoren für die Strategie. Insbesondere lassen sich aber ganz unterschiedliche Geschäftsbereiche direkt miteinander vergleichen, wie das im vorliegenden Competition Ranking gemacht wurde. Dies ist insbesondere bei Konglomeraten und bei Banken und Versicherungen von Vorteil, weil dann ein objektiver Leistungsmassstab angewendet wird, der von Konjunkturzyklen und geschäftsspezifischen Eigenheiten unabhängig ist. Der Autor hat zu diesem Thema das Buch «Marktorientiertes Value Management» verfasst, dessen Buchtaufe am 21. September in Zürich stattfindet. Einladungen zur Buchtaufe sind bei www.obermatt.com erhältlich.

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