Der neue Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken (VSPB), Yves Mirabaud, erachtet die Konsequenzen der SNB-Negativzinsen für Privatbanken als «schwerwiegend». Ein Problem sei, dass der Dialog mit der Schweizerischen Nationalbank schwierig sei, sagte Mirabaud in einem Interview mit der Zeitschrift «Schweizer Bank». «Das Direktorium ist überzeugt, das Richtige getan zu haben.»

Bei seiner Kritik gehe es um die Art und Weise, wie die Negativzinsen implementiert würden, so der VSPB-Präsident. Die Privatbanken müssten diese jetzt entweder auf eigene Rechnung nehmen oder diese auf die Kunden überwälzen, womit sie sich im Wettbewerb «ins Abseits» stellen würden. Eine dritte Möglichkeit für die Banken wäre es, eine aggressivere Bilanz zu fahren, indem man die Risiken steigere. «Aber das wollen wir nicht.»

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«Das ist eine wirkliche Gefahr»

Die Bewegung des Euro in Richtung Parität zum Franken mache auch das Risiko deutlich, dass die SNB-Politik nicht funktioniere und dass die Notenbank die Negativzinsen sogar noch erhöhen müsse. «Das ist eine wirkliche Gefahr für unsere Mitglieder und für andere Banken, die eine sehr konservative Bilanz haben.»

Insgesamt erwartet Mirabaud eine weitere Konsolidierung in der Bankbranche, wie er weiter sagte. Diese Entwicklung werde durch neue Regulierungen und die Implementierung des automatischen Informationsaustausches (AIA) wohl noch verstärkt. Man müsse aber auch bedenken, dass solche Entwicklungen nicht zum ersten Mal aufträten. «Die Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers zählte nach dem Zweiten Weltkrieg 65 Mitglieder. Heute sind gerade noch neun Privatbanken Mitglieder unseres Verbandes.»

66 Prozent zusätzliche Stellen im Ausland

Im Zusammenhang mit dem EU-Marktzutritt stelle sich vor allem die Frage, ob die Privatbanken Arbeitsplätze in der Schweiz oder im Ausland schaffen würden - ohne Marktzutritt entstünden eben immer mehr Jobs im Ausland, so Mirabaud. Das sei bei den VSPB-Mitgliedern schon seit längerem zu beobachten. «Zwischen 2008 und 2014 verzeichneten unsere Banken 6 Prozent zusätzliche Stellen in der Schweiz, aber 66 Prozent im Ausland.»

Zum AIA in der Schweiz begrüsste Mirabaud, dass die Stimmbürger über die «Matter-Initiative» entscheiden könnten. «Der Entscheid, dass Banken den Behörden Steuerdaten liefern, sollte auf keinen Fall ohne das Volk getroffen werden.»

(awp/tno/ama)