Dem Technologiekonzern OC Oerlikon steht die nächste Grossakquisition bevor: Anfang Mai soll er die umsatzstärkste Sparte der deutschen M+W Zander – den Bereich Facility Engineering – übernehmen. Das haben Recherchen der «Handelszeitung» in Unternehmens- und Finanzkreisen ergeben.

Treiber des Deals ist die Wiener Beteiligungsfirma Victory. Sie kontrolliert nicht nur M+W Zander zu 100%, sondern ist bei OC Oerlikon mit einem Aktienanteil von zuletzt 27,57% dominierende Minderheitsaktionärin. Zudem stellt Victory-Vertreter Georg Stumpf bei Oerlikon den VR-Präsidenten. Angedacht wurde die Verschmelzung von Zander und Oerlikon erstmals im Herbst 2007, jetzt werden die Gespräche intensiviert. Allein im März fanden in Wien mehrere Treffen zur Causa Zander statt. «Es ist die klare Absicht von Stumpf, die Transaktion bis zur Deadline am 3. Mai 2008 zu vollziehen», bestätigen involvierte Kreise. Ob diese Frist realistisch ist, wird allerdings heftigst angezweifelt.

Am Prozess beteiligt sind neben der Oerlikon-Führung, Zander und Victory auch Berater von PricewaterhouseCoopers, McKinsey und Bain & Company. Im McKinsey-Team, das Zander seit 2003 berät, sitzt unter anderem Sönke Bästlein. Dass Oerlikon-Verwaltungsrat Hanno Bästlein denselben Nachnamen trägt, ist kein Zufall; es sind Brüder.

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Unterlagen, in welche die «Handelszeitung» Einblick hatte, zeigen, dass Victory M+W Zander bereits bewerten liess. Jetzt hat auch OC Oerlikon die Citibank (Switzerland) mit einer Due Diligence der Zander-Sparte Facility Engineering beauftragt. Eine Sprecherin der Citibank-Niederlassung in Zürich will dies weder bestätigen noch dementieren.

Oerlikon räumt auf Anfrage ein: «Die Konzernleitung hat mit Ermächtigung des VR Berater beauftragt, weitergehende Kooperationen zwischen M&W Zander und Oerlikon zu untersuchen.»

Als Verkaufspreis für die Zander-Sparte Facility Engineering strebt Victory laut Finanzkreisen rund 1 Mrd Euro an, umgerechnet 1,55 Mrd Fr. Ein grosser Brocken für Oerlikon, die 2007 geschätzte 5,5 Mrd Umsatz und einen Ebit von rund 500 Mio Fr. erzielte. Victory dagegen dementiert die Aufspaltungspläne weiterhin hartnäckig. «M+W Zander steht nicht zum Verkauf», sagt Victory-Vertreter Ronny Pecik der «Handelszeitung». Zum genannten Verkaufspreis von 1 Mrd Euro sagt er: «Dazu ist mir nichts bekannt.»

«Das ist sehr unwahrscheinlich», sagen dagegen involvierte Personen und verweisen darauf, dass Zanders Firmenstruktur im Hinblick auf eine Aufspaltung derzeit neu gegliedert würde.Der genannte Verkaufspreis von 1 Mrd Euro löst in Kreisen, die mit Zander vertraut sind, Kopfschütteln aus. Die Sparte generierte 2007 zwar einen Umsatz von über 1 Mrd Euro, aber einen Ebit von nur 50 Mio Euro. Der faire Wert der Division wird von Firmenkennern auf «maximal 300 Mio Euro» taxiert. Spekuliert wird, dass Victory aufgrund der Finanzkrise angeschlagen sei und frisches Eigenkapital benötige. Pecik dazu: «Wir kommentieren keine Gerüchte.»

Aktie macht keine Freude

Klar ist jedenfalls, dass Oerlikon den Wienern derzeit wenig Freude bereitet. Zumindest an der Börse. In den vergangenen sechs Monaten verlor die Aktie über 18% an Wert. Die Kursentwicklung dürfte auch den übrigen Aktionären missfallen – allen voran Viktor Vekselberg, der über seine Beteiligungsfirma Renova 13,79% an Oerlikon hält. Erschwerend kommt jetzt die Akquisition hinzu, die Oerlikon schwächen könnte.

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Die Möglichkeiten für die Aktionäre, sich gegen die Transaktion zu wehren, sind laut Peter V. Kunz, Leiter des Instituts für Wirtschaftsrecht an der Uni Bern, begrenzt. Interventionen seitens der Oerlikon-GV kämen nicht in Frage, da die Übernahme in der Kompetenz des VR liege. Im Vorfeld der Transaktion kann laut Kunz eine superprovisorische Verfügung gegen den Deal erreicht werden. Im Nachgang sei eine Verantwortlichkeitsklage gegen den Oerlikon-VR oder gegen Victory denkbar.

Wie sich Renova verhalten wird, ist offen: «Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen», sagt Renova-Sprecher Markus Blume. Zudem sei man nicht in der Position, die Unternehmensstrategie oder -entwicklung zu kommentieren.