E s ist unbestritten, dass die Immobilienwirtschaft einen gewichtigen Beitrag zum Thema Klimaveränderung leisten kann. Der Energiebedarf pro Kopf ist ein dabei ein gewichtiger Gradmesser für die Beurteilung der Nachhaltigkeit einer Gesellschaft. Darauf fusst die Vision einer «2000-Watt-Gesellschaft». Sie beruht auf der Idee, dass der Pro-Kopf-Energieverbrauch ohne Einbusse der Lebensqualität von derzeit 6000 W (USA 12000 W) weltweit auf 2000 W reduzieren lässt. Dies ist der derzeitige Weltmittelverbrauch.

Breitere Sichtweisen

In diesem Zusammenhang wird vielfach Energiesparen oder Minergie mit nachhaltigem Bauen gleichgesetzt. Dies ist jedoch falsch. Nachhaltiges Bauen verfolgt eine viel breitere Sichtweise. Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft sind eng miteinander vernetzt. So führt zum Beispiel die Zersiedelung der Landschaft zu erhöhtem Verkehrsaufkommen oder ökologische Bauten werden nicht realisiert, wenn sie nicht marktfähig, das heisst bezahlbar sind. Die wichtigsten Kriterien sind:

Umwelt: Ressourcenoptimierte Baustoffe, geringer Energiebedarf und optimierte Mobilität.

Wirtschaft: Marktfähige Kapitalrendite, wirtschaftliche Nutzung und langfristige Werterhaltung.

Gesellschaft: Persönliche Gestaltungsmöglichkeiten, hohe Behaglichkeit, Standortattraktivität und Sicherheit.

Bisher mangelte es noch an einfachen, praxistauglichen Mitteln, die Nachhaltigkeit von Gebäuden bereits in einem frühen Planungsstadium zu beurteilen und zu vergleichen. Die Reuss Engineering hat aus diesem Grund eine standardisierte Nachhaltigkeitsbewertung entwickelt, welche es ermöglicht, Projektentwicklungen auf deren Nachhaltigkeit zu beurteilen, Varianten zu vergleichen und verbindliche Vorgaben für die weitere Planung vorzugeben.

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Lebensfreundliche Bauten

Wer nicht nachhaltig baut, läuft Gefahr, dass seine Investitionen längerfristig an Wert verlieren werden. Ökologische und soziale Standards müssen darum in die Rechnungsmodelle der Investoren miteinfliessen. Das Center for Corporate Responsibility and Sustainability der ETH Zürich hat zusammen mit einer Begleitgruppe (Implenia und Reuss Engineering sind Partner der Begleitgruppe) die Grundlagen für ein Konzept zur Ergänzung bestehender Immobilienbewertungen erarbeitet. Mittels eines Nachhaltigkeitsindikators (ESI –«easy») wird das Risiko bzw. die Chance eines Objektes gemessen aufgrund langfristiger Entwicklungen an Wert zu verlieren bzw. zu gewinnen. In Grossbritannien ist zum Beispiel Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil der RICS (Royal Institut of Chartered Surveyors) Ausbildung.

Nachhaltiges Bauen bedeutet dabei keinesfalls teuer zu bauen oder Komforteinbussen in Kauf zu nehmen – im Gegenteil: Durch höhere Materialeffizienz, Reduktion fossiler Energieträger, visionäre Projekte und professioneller Bauprozesse – resultieren am Ende lebensfreundliche Bauten.