Unter Marktkennern ist nicht die Frage ob, sondern lediglich wann der Rohölpreis die 100-Dollar-Marke erreicht, umstritten. Argumente für höhere Preise gibt es zuhauf: Die Nachfrage aus Fernost, die tiefen Lagerbestände in den USA sowie politische Unabwägbarkeiten.
Für Retail-Anleger sind Rohölanlagen indes nicht ohne Tücken. So reduzieren die Rollover-Transaktionen, die jedesmal dann auftreten, wenn der alte Rohölfuture ausläuft, die Performance von Produkten, die auf wechselnden Futures basieren. Dieses spezifische Problem der Transaktionskosten wird bei Calls und Puts, die auf einen bestimmten Kontrakt lauten - beispielsweise Juni 2008 - zwar beseitigt. Aber solche Kontrakte reagieren wiederum weniger stark auf die Schwankungen an den Spot-Märkten oder den Futures mit dem nächsten Verfalldatum.

*«Stabile» Nymex-Kontrakte*
Deshalb rät Goldman Sachs dazu, sich bei Öl-Derivaten auf das Wesentliche zu konzentrieren. Einerseits sollte ein guter «Hebel» gegenüber den Rohölpreisen selber bestehen. Anderseits sollte das mit relativ niedriger Volatilität (der Schwankungsbreite einer Anlage) einhergehen. Die Analysten bevorzugen ein einfaches Top-Down-Vorgehen, bei dem technische Kennzahlen für die Auswahl der geeigneten Anlagen im Vordergrund stehen.
Zunächst zur Volatilität: Die Volatilität auf den WTI-Rohölkontrakt, der an der Nymex in New York gehandelt wird, liegt unter jener des europäischen Brent-Kontraktes und ebenfalls niedriger als die Volatilität des Euro-Dollar-Wechselkurses, den Zinsen oder den Spreads bei Krediten. Dahinter steht eine relativ stabile Preisentwicklung des Rohöls. Trotz der gegenwärtig rekordhohen Preise liegt die implizite Volatilität der WTI-Kontrakte bei 22% und damit in der Nähe historischer Tiefststände.
Auch bei etlichen Ölaktien ist die Volatilität hinter der der Indizes wie dem S&P 500 Index zurückgeblieben. Relativ niedrig ist die Sechs-Monats-Volatilität bei Optionen auf westeuropäische Konzerne wie BP, RDS, Eni oder Total mit 23 und 26%. Etwa gleich «teuer» sind die Optionen auf die US-Konzerne ExxonMobile, Chevron und ConocoPhilips sowie die auf die Ölservicegesellschaft Halliburton. Die Volatilitäten der drei russischen Konzerne Gazprom, Lukoil und Rosneft liegen um die 30%, asiatische Aktien wie CNOOC, Sinopec, PetroChina oder Inpex erreichen Werte zwischen 35 und knapp 40%.
Bei einigen Aktien zeigt die historischen Analyse, dass die Kurse besonders stark auf steigende Rohölpreise reagieren. Zu diesen zählen Halliburton, Canadian Natural Resources und National Oilwell. BP und Chevron schnitten gut, aber nicht überdurchschnittlich ab. Petrobras, Gazprom und CNOOC weisen ebenfalls eine hohe Affinität zum Rohölpreis auf. Zudem ist hier auch die Volatilität hoch - und damit sind Optionen relativ «teuer».

*Breite Palette an Möglichkeiten*
Für Derivate-Anleger ergeben sich daraus mehrere mögliche Vorgehensweisen. Preis-Tracker auf Kontakte mit bestimmten Verfallsdaten (beispielsweise März oder Juni 2008) haben Goldman Sachs und ABN Amro im Angebot.
Unter den europäischen Aktienoptionen haben solche die besten Chancen, bei denen eine relativ tiefe implizite Volatilität der Aktie mit einer hohen Empfindlichkeit gegenüber steigenden Rohölnotierungen einhergehen.
Hierzu zählen bei den europäischen Aktien ENI (Sal. Oppenheim hat je einen Call und einen Put ausstehend), Gazprom (Goldman Sachs, Deutsche Bank und Merrill Lynch haben Scheine emittiert) und Total (Optionen auf diese Titel stellen Deutsche Bank, Sal. Oppenheim und Vontobel). Bei den asiatischen Aktien erscheinen die Calls auf CNOOC (Goldman Sachs, Deutsche Bank) erwägenswert.
Auf viele zu empfehlende Aktien wie Valero, Suncor, Sunoco, Apache oder El Paso sind an der SWX keine Hebelprodukte gelistet. Beim Ausrüster Halliburton hat die UBS drei Scheine im Angebot. Mehr Calls gibt es auf die grossen Rohölkonzerne, diese reagierten aber bisher ungleich weniger auf die Veränderungen beim Rohölpreis selber.

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