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Exploration
Ölfeld-Versteigerung ohne Höchstgebot

Bohrinsel von Petrobras: Unabhängig von der Auktion hatte der Staatskonzern Anrecht auf 30 Prozent des Öls. (Bild: Keystone)

Bei der Vergabe von Bohrrechten vor der Küste Brasiliens fanden sich nicht genug Bieter, um den Preis in die Höhe zu treiben. Wenige Konzerne taten sich zusammen und machten ein Schnäppchen.

Veröffentlicht am 22.10.2013

Bei der Versteigerung der Förderrechte für das riesige Offshore-Ölfeld «Campo de Libra» vor Brasiliens Küste hat nur ein Konsortium aus fünf Firmen geboten und den Zuschlag mit dem Mindestgebot erhalten. Der Gruppe gehören die beiden Konzerne Shell (GB/Niederlande) und Total (Frankreich), die staatlichen Multis CNPC und CNOOC (beide China) sowie die staatlich kontrollierte Petrobras aus Brasilien an. Insgesamt waren elf Firmen zugelassen. Aber zum Schluss landete nur ein Angebotsumschlag in der Auktionsbox.

Voraussetzung für den Zuschlag war, dass der brasilianische Staat einen Anteil von mindestens 41,65 Prozent am Öl bekommt. Das Konsortium blieb bei diesem Mindestgebot und bekam - mangels Konkurrenz - bei einer live im Fernsehen übertragenen Veranstaltung den Zuschlag. Vor dem Auktionshotel kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Dabei setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse ein. Es gab mehrere Verletzte. Die Demonstranten kritisierten einen «Ausverkauf» der brasilianischen Ölreserven an ausländische Firmen.

Grosskonzerne wie Chevorn, Exxon und BP waren bei der Auktion erst gar nicht an den Start gegangen. Die Regierung hatte anfangs mit 40 interessierten Konzernen gerechnet. Es war die erste Ausschreibung unter dem Regime des sogenannten «Teilungs»-Modells, das dem Staat neben Gebühren auch feste Anteile am geförderten Öl zugesteht und zudem Petrobras mit einem gesetzten Anteil von 30 Prozent als Betreiber der Offshore-Operation in Libra festsetzt. Das Konsortium muss nun zudem einen hohen Bonus an die Regierung in Höhe von 15 Milliarden Reais (etwa 6,2 Milliarden Franken) zahlen.

300 Milliarden Gebühren

Petrobras ist neben den 30 Prozent mit weiteren 10 Prozent an dem Konsortium beteiligt. Shell und Total halten je 20 Prozent und die chinesischen Staatskonzerne CNPC und CNOOC jeweils 10 Prozent. Der Vertrag zur Exploration läuft über 35 Jahre. In dem Ölfeld werden 8 bis 12 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl vermutet. Allein durch die Gebühren erwartet die Nationale Öl-Agentur (ANP) in der Vertragslaufzeit Einnahmen von 300 Milliarden Reais (124,25 Milliarden Franken).

Das Öl lagert in rund 6000 Metern Tiefe, weswegen die Investitionssummen vermutlich im dreistelligen Milliarden-Bereich liegen. Mit einer Aufnahme der Produktion im «Campo de Libra» wird 2018/2019 gerechnet. Bei Vollfunktion soll die Produktion dort bei 1,4 Millionen Barrel Öl pro Tag liegen. Derzeit produziert Brasilien insgesamt rund 2,1 Millionen Barrel Öl pro Tag, davon stammen etwa 320'000 Barrel aus dem Offshore-Bereich in grosser Meerestiefe («Pré-Sal»).

(awp/jev)

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