Peter Tinner hat Oerlikon von einem weiteren Kostenblock befreien können: Diesmal ist es die riesige Werbewand im Zürcher Flughafen, die der Vertriebs- und Marketingchef des knapp geretteten Industriekonzerns OC Oerlikon abbauen kann. Gut zwei Jahre lang warb Oerlikon auf Dutzenden Quadratmetern Fläche für seine Technologieprodukte.

4 Mio Flugpassagiere, die den Airport jedes Jahr über den Terminal A verlassen, pilgerten an der Wand in schreiendem Rot vorbei. Gemäss früheren Angaben liess sich Oerlikon den Auftritt alle zwölf Monate einen Betrag zwischen 200 000 und 300 000 Fr. kosten. Damit ist Schluss. Oerlikon lässt den Vertrag auslaufen.

Einen Nachmieter für die Wand hat der Flughafen bereits gefunden: Die Liechtensteiner Fürstenbank LGT wirbt jetzt auf derselben Fläche, in dezentem Dunkelblau.

Vertrag mit Niki Lauda läuft aus

Gestrichen werden kann auch der teure Werbeträger Niki Lauda, sein Vertrag mit Oerlikon läuft Ende Jahr aus.

Der ehemalige Autorennfahrer tingelt seit vielen Jahren schon als Experte mit dem Formel-1-Zirkus um die Welt. Dabei analysiert er jeweils für den deutschen Sender RTL und das österreichische Staatsfernsehen ORF die Schlüsselszenen aus dem Boliden-Concours.

Seit gut drei Jahren tritt Lauda stets mit rotem OC-Oerlikon-Käppi vor die Kameras. Davor warb er unter anderem für den italienischen Milchverarbeiter Parmalat und den Heiztechnikkonzern Viessmann.

Der Rennfahrer soll mit dem Slogan «OC Oerlikon - Living High Technology» für die Präzisionsprodukte aus der Schweiz werben und die Marke Oerlikon insgesamt stärken. Darüber hinaus trat Lauda auch an Kundenanlässen des Industriekonzerns auf, zuletzt etwa bei der Eröffnung eines Beschichtungszentrums oder auf der Schweizer Botschaft in Abu Dhabi, wo er über seine Formel-1-Erlebnisse parlierte.

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Was der Österreicher für sein Engagement pro Jahr kassierte, ist offiziell geheim. Kenner aber wissen, dass Oerlikon ab dem nächsten Jahr einen Betrag in tiefer einstelliger Millionenhöhe einsparen wird.

Oerlikon wollte sich schon früher von Lauda trennen, doch ein hieb- und stichfester Vertrag machte einen vorzeitigen Ausstieg unmöglich. Jedenfalls deutete der ehemalige Oerlikon-CEO Uwe Krüger bereits vor zwei Jahren an, dass eine Vertragsverlängerung mit Lauda ab 2010 «eher unwahrscheinlich» sei.

Denn der Nutzen von Werbeträger Lauda war konzernintern von Anfang an umstritten. Kritiker monierten, dass die Oerlikon-Zielgruppe - nämlich industrielle Kunden - verpasst werde. Statt Geschäftskunden, die etwas von Vakuumpumpen und Dünnfilmtechnologie verstehen, adressierte Rennfahrer Lauda via RTL und ORF jahrelang die gemeinen Formel-1-Fans, die mit Bier und Wurst in der Hand auf den Sieg ihrer Lieblingsfahrer hinfieberten.

Den Werbeträger Lauda hatte Oerlikon noch zu Zeiten des ehemaligen Grossaktionärs Ronny Pecik verpflichtet. Pecik und Lauda kannten sich aus der Wiener Schickeria. Lauda soll darüber hinaus zur Gruppe reicher Privatinvestoren gehören, die bereits in der Anfangsphase in Peciks Beteiligungsfirma Victory investiert hatten und von den Fähigkeiten des Dealmakers profitieren wollten. Der Vertrag mit Lauda ist Firmenkennern zufolge noch harmlos, wenn man weiss, was damals sonst noch alles geplant war. So stand ein Sponsoringkontrakt mit dem österreichischen Rennstallbetreiber Red Bull angeblich kurz vor dem Abschluss. Auch hier sollen die Verbindungen zu Pecik gespielt haben.

Der mehrjährige Vertrag hätte vorgesehen, dass Oerlikon mit ihrem Namen an hochprominenter Stelle auf dem Frontflügel der Boliden hätte werben dürfen - und dafür viele Mio Fr. jährlich an Red Bull überwiesen hätte. Die Marketingverantwortlichen konnten diesen Deal gerade noch verhindern.

Nicht stoppen konnten sie allerdings teure Sponsoringengagements für Golfturniere - der ehemalige Oerlikon-Verwaltungsratspräsident Georg Stumpf war in jungen Jahren Profigolfer und auch später noch ein glühender Anhänger dieses Sports.

Insgesamt gab Oerlikon gemäss früheren Angaben zwischen 2005 und 2007 bis zu 50 Mio Fr. für Marketing aus. Heute sind es weniger als 1 Mio Fr.Für das nächste Jahr plant Oerlikon auf Konzernstufe keine Werbe- oder Sponsoringauftritte mehr. Aufrechterhalten will Oerlikon das Sponsoring für Leistungszentren des Schweizer Skisport-Nachwuchses.

Die frei gewordenen Mittel, ein einstelliger Millionen-Franken-Betrag, fliessen in die Bewirtschaftung des Intra- und des Internets.

Oerlikon Solar sponsert E-Mobil

Ganz ohne neue Aktivitäten kommt Oerlikon aber doch nicht aus. Die Tochtergesellschaft Oerlikon Solar engagiert sich neuerdings für ein Schweizer Elektro-Rennwagen-Team, das Mitte August am «Zero Emission Race» teilnimmt. Neun Teams aus verschiedenen Ländern fahren dabei mit von Solar-, Wind- oder Geothermie-Energie betriebenen Vehikeln von Genf aus um die Welt. Das Ziel: In nur 80 Tagen den Globus zu umrunden und dabei keine Emissionen zu verursachen. Gemäss der «Sonntags-Zeitung» lässt sich Oerlikon Solar den Spass 150 000 bis 200 000 Fr. kosten.