Nun holt die Krise auch die Uhrenindustrie ein: Die Exportzahlen sind eingebrochen. Wie geht es Swatch?

Nicolas Hayek: Schon die erste Frage widerspiegelt die allgemeine Unfähigkeit unseres Jahrhunderts, in Nuancen und echten Tatsachen zu denken. Die Wirschaft weltweit und ganz speziell die Finanzwirtschaft leiden seit über einem Jahr an einer akuten tödlichen Krise, nennen wir diese wegen ihrer Intensität Krebskrankheit. Die Uhrenindustrie hat Ende November kumuliert - verglichen mit der Vorjahresperiode - ein Umsatzplus von 8,4% erzielt und in einem Monat, obwohl der Konsument immer noch gekauft hat, weltweit einen Rückgang verzeichnet, verursacht durch die Unsicherheit der Grosshändler und Händler.

Wo orten Sie die Gründe dafür - nachdem es derzeit nicht an Leuten mangelt, die uns erklären, wie es so weit kommen konnte?

Hayek: Diese Unsicherheit hängt mit dem massiven Börsenrückgang im Oktober und November zusammen und damit, dass Banken weltweit Kredite ablehnen. Damit hat die Uhrenindustrie, verglichen mit allen Teilen der Finanzwirtschaft und auch der realen Wirtschaft, einen recht heilbaren Grippeanfall.

Wie hart wird die Krise die Schweizer Uhrenindustrie nächstes Jahr treffen?

Hayek: In den ersten Monaten des Jahres 2009 erwarten wir, dass diese Grippe auskuriert wird. In anderen Worten: Es wird ein Jahr, in dem es kein riesiges Wachstum geben wird. Es ist zwar kleiner, aber immerhin noch sehr anständig im Vergleich zu anderen Industrien.

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Mit welchen Strategien wird Swatch der Krise begegnen?

Hayek: Wie mit den Strategien in anderen früheren Krisen: Mit grosser Gelassenheit und mit dem Einsatz einer klugen und erfahrenen Mannschaft.

In welchen Märkten sehen Sie die besten Chancen für Swatch?

Hayek: In Prinzip in allen Weltmärkten, wo wir als weltweite Nummer eins - also praktisch überall - gut dastehen.

Swatch ist eine Kooperation mit Tiffany?s eingegangen. Wie entwickelt sich diese Partnerschaft?

Hayek: Gut. Meine Tochter Nayla Hayek, CEO der Tiffany Watch & Co. Biel, lanciert die erste Kollektion in Basel 2009.

Kommen weitere solche Partnerschaften für Ihr Unternehmen in Frage?

Hayek: Ja, wenn es sich um erstklassige Firmen handelt. Wir sind offen für alle guten Partnerschaften. Mit Betonung auf guten.

Gibt es Unternehmen aus der Uhrenindustrie, die unter dieser Krise stärker leiden werden als andere? Hayek: Ja, das sind einige Firmen, die keine Erfahrung in der Uhrenindustrie besitzen.

Kommen für Swatch Akquisitionen solch geschwächter Unternehmen in Frage? Hayek: Nein, an solchen Unternehmen sind wir nicht interessiert.

Die Investoren der Swatch Group haben im vergangenen Jahr einen Wertverlust von über 50% hinnehmen müssen. Was sagen Sie ihnen, um sie bei der Stange zu halten?

Hayek: Ich will keinen Investor bei der Stange halten. Wenn er so weltfremd ist, dass er nicht realisiert, dass die Swatch Group eine der am besten entwickelten Firmen ist und der Wertverlust allgemein überall gleich oder sogar höher ist, soll er schnell seine Aktien verkaufen. Wir hingegen kaufen!

Was wird heuer angesichts der verhaltenen Wirtschaftsprognosen unter Ihrem Weihnachtsbaum liegen?

Hayek (zögert etwas und lacht dann): Jetzt wird wohl eine besonders originelle Antwort erwartet. Aber ich muss Sie leider enttäuschen: Mich kann man mit allem verwöhnen, das schön und formvollendet ist. Dazu gehören vor allem auch Blumen. Schönes und Formvollendetes ist zeitlos - auch in unruhigen Zeit wie den jetzigen.

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