Nicht nur die Chefs der grossen Schweizer Banken müssen sich derzeit über strengere Regulierungen, den Druck auf das Bankgeheimnis oder die schrumpfenden Margen den Kopf zerbrechen. Solche Fragen beschäftigen auch die 700 bis 800 Ein-Personen-Firmen im Schweizer Finanzsektor. Sie gehören zu den rund 2600 unabhängigen Vermögensverwaltern, die zusammen in der Schweiz gegen 10 000 Angestellte beschäftigen. Diesen Kleinbetrieben bläst derzeit ein rauer Wind entgegen. Das Marktumfeld wird anspruchsvoller, der Wettbewerb wird härter, und der Strukturwandel schreitet voran: Vor allem die sehr kleinen unabhängigen Vermögensverwalter werden zunehmend zu Zusammenschlüssen gedrängt. Branchenexperten schätzen, dass die kritische Grösse bei mindestens 100 Mio Fr. verwalteten Vermögen liegt.

Zu schaffen machen den Kleinbetrieben besonders die wachsenden Kostenblöcke. So nimmt etwa der Regulierungsaufwand ständig zu, und die Qualitätsanforderungen steigen. Vermögensverwalter, die sich auf die ausländische Kundschaft ausgerichtet haben, kämpfen zudem mit Vermögensabflüssen durch die Aufweichung des Bankgeheimnisses. Im Gegensatz zu grösseren Banken können sie es sich aber nicht leisten, eine Onshore-Strategie zu verfolgen und im Ausland Niederlassungen aufzubauen.

Ein möglicher Ausweg ist die verstärkte Konzentration auf die heimische Kundschaft oder die Ausrichtung auf institutionelle Investoren. Um im Markt weiter bestehen zu können, gilt es auch, Bisheriges zu überdenken und für die Zukunft neue Geschäftsideen und Modelle auszuarbeiten.

Die stark fragmentierte Branche der unabhängigen Vermögensverwalter steckt mitten im Umbruch. Dies hat aber auch den Vorteil, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Zu den Gewinnern werden jene gehören, welche die gleichen Interessen wie ihre Kunden verfolgen und ihrer Unabhängigkeit Sorge tragen. Vermögensverwalter, die eine transparente Anlagepolitik betreiben und in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu anderen Anbietern stehen, profitieren vom steigenden Bedürfnis der Anleger nach einer unabhängigen Beratung. Denn besonders seit der Finanzkrise werden Banken von ihren Kunden verstärkt als «Produktepusher» gesehen. Auch wenn die Banken immer mehr um jeden Kunden kämpfen, bieten sich daher für die kleinen Finanzbetriebe ohne Banklizenz gute Zukunftschancen, wenn sie ihren Kunden eine unabhängige, individuelle und professionelle Beratung bieten.

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