An der Schweizer Börse SWX glauben die Anleger noch nicht an weitere Gebote für den Halbleiterausrüster SEZ. Die SEZ-Aktie dümpelt seit Tagen um 38 Fr. – diesen Preis will der US-Mitbewerber Lam Research für SEZ bezahlen. Auch für SEZ-COO Kurt Lackenbucher ist es heute «eher unwahrscheinlich», dass ein Bieterkampf um den Reinigungsspezialisten mit Sitz in Villach entbrennt. Wobei nicht ausgeschlossen werden dürfe, dass sich ein zweiter Interessent doch noch zu erkennen gebe.

«Es ist möglich, dass sich der Halbleiterkonzern Applied Materials, der unser Geschäft schon sehr lange kennt, meldet», bestätigt Lackenbucher. Ebenso vorstellbar sei eine Gegenofferte von Tokyo Electron. «Grundsätzlich in Frage käme auch unser Mitbewerber Dainippon Screen, wobei ich hier ein grosses Fragezeichen mache», erklärt Lackenbucher. Die Überlappungen seien einfach zu gross. Dainippon Screen ist nach SEZ der zweitgrösste Hersteller von Single-Wafer-Reinigungsanlagen und verfügt über einen Marktanteil von geschätzten 29%. SEZ ist mit 66% Marktführerin.

Kein Thema ist für Lackenbucher eine Offerte von Semitool, der Nummer drei der Branche: «Die Firma ist mit einem Marktanteil von deutlich unter 10% viel zu klein für eine Übernahme von SEZ.»

Bisher keine weiteren Offerten

Bisher habe sich jedenfalls noch kein weiterer Bieter bei SEZ gemeldet. Lackenbucher warnt allerdings davor, jetzt schon davon auszugehen, dass Lam der einzige Interessent bleibe. «Dafür ist es noch viel zu früh», erklärt er. Wobei der SEZ-COO nach wie vor vom Deal mit Lam Research überzeugt ist. «Wir denken, dass 38 Fr. pro SEZ-Aktie, was eine Prämie von 53,8% beinhaltet, ein mehr als faires Angebot ist», sagt er. Denn die aktuellen Marktsignale seien unbefriedigend, die Aussichten für 2008 alles andere als berauschend.

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Prospekt folgt Anfang Januar

Weitere Kaufangebot für SEZ müssen laut Lackenbucher bis spätestens Ende Januar eintreffen. Lam Research dürfte am 8. Januar 2008 den Übernahmeprospekt veröffentlichen. «Wenn sich kein weiterer Bieter zu erkennen gibt und keine Verzögerungen im Transaktionsprozess auftreten, wird die Übernahme im März 2008 vollzogen», so Lackenbucher.

Lam Research hatte sich am 11. Dezember 2007 als Übernahmeinteressent geoutet. SEZ galt bereits seit Wochen als Übernahmekandidatin.

 

NACHGEFRAGT 
«Hätten starken Widerstand registriert»

Kurt Lackenbucher, COO SEZ

Laut «Finanz und Wirtschaft» fordert ein Investorenpool, der 25% an SEZ hält, dass die Lam-Offerte auf 50 Fr. aufgebessert wird.

Kurt Lackenbucher: Davon wissen wir nichts. Im Gegenteil: Das Feedback der Investoren war durchwegs positiv. Gegen 90% der Aktionäre sind mit dem geplanten Übernahmeangebot sehr zufrieden. Wenn sich so starker Widerstand regen würde, dann hätten wir das mit Sicherheit registriert.

Gibt es keine negativen Stimmen?

Lackenbucher: Es gibt einige wenige Investoren, die mit der Höhe des Angebots nicht ganz zufrieden sind. Mit diesen einzelnen Investoren suchen wir jetzt das persönliche Gespräch.

Kritisiert wird, dass sich die SEZ-Führung Lam an den Hals geworfen habe, weil Sie nach der Transaktion lukrative Arbeitsverträge erhalten werde.

Lackenbucher: Wir haben bereits heute bei SEZ lukrative Arbeitsverträge, die allerdings stark leistungsorientiert sind. Das heisst: Wir verdienen nur dann gut, wenn wir ausgezeichnete Arbeit leisten. Unter dem Dach von Lam Research werden wir neue Verträge auf vergleichbarem Niveau erhalten. Wer SEZ übernehmen wird, erwirbt schliesslich keine Sachwerte wie Maschinen, sondern Know-how. Und das steckt bekanntlich in den Köpfen der Mitarbeiter.