Glaubt man den Hochglanzbroschüren der Unternehmen, dann gibt es viele Champions in Sachen Nachhaltigkeit. Doch so frisch grün, wie es oft verkauft wird, ist manches nicht. Die Standards, denen die Corporate Social Responsibility und die Reports entsprechen, sind oft sehr vage. Selten richten sie sich nach hohen internationalen Richtlinien wie der Global Reporting Initiative (GRI). Die GRI-Leitlinien sind zurzeit der einzige globale Orientierungsrahmen für die Inhalte von Nachhaltigkeitsberichten. An der GRI orientieren sich beispielsweise die Nachhaltigkeitsberichte von Axpo und Nestlé. Allerdings ist das mit Vorsicht zu geniessen, denn sie sind nicht GRI-geprüft. In der Schweiz nehmen 32 Unternehmen an der GRI teil. Davon sind aber nur 19 von der GRI geprüft.

Wie ernst gemeint die vielen - sicher lobenswerten - freiwilligen Nachhaltigkeitsinitiativen der Unternehmen sind, ist schwer nachzuprüfen. Halbherzig sei die Umsetzung der Klima-Initiative der Zürich Versicherung, moniert etwa Actares (Aktionärinnen und Aktionäre für nachhaltiges Wirtschaften). «Die Initiative von 2008 ist zwar ein guter Ansatz, in zahlreichen Geschäftsbereichen ist jedoch noch wenig geschehen.» Actares begrüsst auch das gruppenweite CO2-Reduktions-Ziel von 10% bis 2013 und die Fortschritte bei der Messung und dem Management der CO2-Emissionen. Die Aktionärsgruppe wendet aber ein, dass die Handlungsmöglichkeiten eines weltweit tätigen Konzerns in keiner Weise ausgeschöpft würden und dass die Initiative mindestens zum Teil der Image-Pflege diene.

Manche Umweltinitiativen sind direkte PR-Offensiven. Der aufwendige Carbon Footprint, den Nestlé für Getränke erheben liess (siehe Grafik), wird auch von Nestlé selber als Image-Offensive deklariert. Die Studie soll der Kampagne gegen Mineralwasser den Wind aus den Segeln nehmen. Wie die Daten zeigen, verbraucht zwar Hahnenwasser weniger CO2, Wasser und Energie als käufliches Mineralwasser, aber im Vergleich zu den gängigen anderen Getränken schneidet Mineralwasser geradezu umweltfreundlich ab.

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Anerkannte Standards sind nötig

Die Freiwilligkeit der Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit hat in einigen Fällen zu anerkannten internationalen Bewegungen geführt wie etwa zum Carbon-Disclosure-Projekt. Dabei wird die Transparenz punkto CO2-Emissionen bei inzwischen 1800 Firmen erhoben. In vielen Fällen sind die Nachhaltigskeitsziele aber beliebig. Novartis etwa gibt an, den Kontaktwasserverbrauch pro Umsatz zwischen 2005 und 2010 um 10% senken zu wollen, wobei schon letztes Jahr 35% eingespart wurden.

Ein bekannter internationaler Benchmark ist der Sustainability Index der Vermögensverwaltungsgesellschaft SAM. Er wird bei weltweit 2500 Firmen erhoben und stellt für Investoren eine gute Orientierungshilfe dar.

Fest steht, dass der Wildwuchs von privaten Initiativen und Benchmarks darauf hinausläuft, dass nur noch international anerkannte Standards überhaupt einen Wert darstellen können.