Die Schwerverkehrskontrollen im Schweizer Strassennetz werden unter dem Vorwand des Strebens nach höheren Sicherheitsstandards ständig intensiviert. In Wahrheit geht es allerdings, zumindest teilweise, um Bussgeldjägerei, die mehr Cash in den Staatssäckel spülen soll, was man eher als reine Schikane bezeichnen muss, zumal Transportunternehmen ohnehin unter hohen Abgaben und der Wirtschaftskrise leiden. Handlungsbedarf besteht allenfalls beim internationalen Transitverkehr. So jedenfalls urteilt der Schweizerische Nutzfahrzeugverband Astag über die zunehmenden Polizeikontrollen, bei denen entsprechend mehr Verstösse gegen die einschlägigen Bestimmungen zu Buche schlagen.

Häufig Bagatellfälle

Eine genauere Betrachtung der amtlichen Statistiken fördert ein anderes Bild zutage, argumentiert der Verband. Die Beanstandungen seien nämlich nur deshalb angewachsen, weil der Schwerverkehr zusätzlichen Kontrollen unterzogen werde. Der Bund habe im zurückliegenden Jahr 161096 extra Kontrollstunden eingelegt und dabei 36407 Beanstandungen registriert. Das entspreche nur einem Treffer pro 4,4 Stunden, rechnet Astag vor. Hinzu komme, dass es in den meisten Fällen um Bagatellvergehen gegangen sei und die Statistiken Mehrfachverfehlungen am gleichen Fahrzeug einbezogen hätten. Schon darum stelle sich die Frage, ob Kontrollaufwand und -ertrag noch übereinstimmten.

Kanton profitiert

Dass Astags Kritik an «Kontrollen unter dem Deckmäntelchen der Verkehrssicherheit» nicht von der Hand zu weisen ist, hatte sich beispielsweise am 9. September 2009 in Ripshausen erwiesen. An der Inbetriebnahme des nahe dem Gotthard-Nordportal gelegenen Schwerverkehrszentrums gestand Baudirektor Markus Züst in einem Vortrag, dass Uri den sich vorüberwälzenden Schwerverkehr «nicht nur als Last empfindet, sondern davon auch profitieren will». In die gleiche Kerbe schlug der kantonale Sicherheitsdirektor, Regierungsrat Josef Dittli. Im Rahmen seiner historischen Rückblende konzedierte er vor den zahlreichen geladenen Gästen, darunter Verkehrsminister Moritz Leuenberger, «dass die Ziele der Urner Verkehrspolitik immer die gleichen waren: Verkehrssicherheit und Verdienstmöglichkeit für möglichst viele Landsleute».

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