Die Hansestadt Hamburg nimmt in Deutschland eine führende Rolle in der Anwendung und Nutzung der umweltfreundlichen Wasserstofftechnologie ein und fördert deren Weiterentwicklung. Zurzeit stehen schon Wasserstoffbusse im Stadtverkehr, ein Brennstoffzellen-Fahrgastschiff der Alster-Touristik GmbH sowie am Airport Hamburg Brennstoffzellen-Schlepper von Still im Gepäckumschlag im täglichen Einsatz.

Praxistest für zwei Jahre

Im Hamburger Hafen schlagen nun die Projektpartner HHLA Logistics, Linde Gas und Still mit Unterstützung der Hansestadt Hamburg ein neues Kapitel auf. Erstmalig werden Gabelstapler mit Brennstoffzellen-Antrieb in der Intralogistik eingesetzt. Geplant ist der Praxistest für zwei Jahre. Der Kontraktlogistik-Dienstleister HHLA Logistics, ein Tochterunternehmen der Hamburger Hafen und Logistik AG, setzt den Brennstoffzellen-Stapler im täglichen Lagerbetrieb ein. In der Testphase soll ermittelt werden, welche Vorzüge die alternative Antriebstechnik im Hinblick auf Leistungsfähigkeit, Energieeffizienz, Handhabung und Wartung bieten kann. Fallen die Beurteilungen positiv aus, könnte die Staplerflotte mit rund 100 überwiegend elektrisch betriebenen Fahrzeugen künftig mit Brennstoffzellen-Staplern ergänzt werden. Der Hamburger Intralogistiker und Staplerhersteller Still hat in verschiedenen Projekten bereits umfangreiche Erfahrungen sammeln können und verfügt inzwischen europaweit über die grösste Flurförderzeugflotte mit Brennstoffzellen-Antrieb. Dazu gehören Gabel- und Schubmaststapler, Vertikalkommissionierer sowie Schlepper.

Am Airport Hamburg werden schon seit 2006 Brennstoffzellen-Elektroschlepper von Still für den Gepäckumschlag eingesetzt. Langfristig will der Airport den Fuhrpark mit emissionsarmen Fahrzeugen ausbauen und so die abgasbedingten Gesamtemissionen verringern. Bundesweit laufen weitere Projekte. Bei der BASF Coatings, einem der weltweit führenden Unternehmen der Lackindustrie, werden zwei unterschiedliche Fahrzeuge mit dem zukunftsweisenden Antrieb in den industriellen Einsatz gehen: Ein Schubmaststapler FM-X 20 und ein Elektrostapler R 60. Für Vorführzwecke stehen ein Stapler RX 60-45 Fuel Cell sowie ein Vertikalkommissionierer EK 12 zur Verfügung

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Erprobte Elemente

Prinzipiell sind die von Still eingesetzten Systeme alle gleich aufgebaut. Sie sind Hybridsysteme und bestehen im Einzelnen aus dem eigentlichen Brennstoffzellen-Stapler (Leistung zum Beispiel dreimal 6 kW), einem elektrischen Zwischenspeicher, der beim Bremsen Energie speichert und sie beim Beschleunigen wieder abgibt, den Gastanks für Wasserstoff (geladen mit 350 bar Druck und mit einem Inhalt von 2,5 kg Wasserstoff), einem Kühler und einem Kompressor sowie einem Zusatzgewicht, das den Unterschied zur schwereren Batterie ausgleicht. Zwischenspeicher sind je nach Einsatzbedingungen Hochleistungskondensatoren oder schnell ladbare bzw. entladbare Batteriesysteme. Je nach Leistungsbereich werden BZ-Systeme im Bereich zwischen 5 und 10 kW verwendet. Die Brennstoffzellen werden von Hydrogenics und Nuvera geliefert.

Mehrschichtbetrieb möglich

Zur Sicherstellung eines Mehrschichtbetriebes genügt bei der Brennstoffzelle lediglich die rechtzeitige Betankung mit Wasserstoff. Somit kann auf das Vorhalten von teuren Wechselbatterien pro Stapler verzichtet werden. Das Brennstoffzellen-Power-Pack von Still liefert volle Nennspannung bis zum völligen Verbrauch des Wasserstoffvorrates. Die Nennspannung einer Batterie nimmt hingegen bei der Benutzung kontinuierlich ab. Durch die nahezu einmaligen Erfahrungswerte mit der Brennstoffzellen-Technologie und ihrer Ausrichtung auf den Klimaschutz wird Still diese Entwicklungslinie konsequent und intensiv weiterverfolgen.