Sie wollen besonders gut abschneiden an der Weltausstellung 2010 in Schanghai, die Bergbahnen Engadin/St. Moritz AG, die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (Titlis Rotair) und die Zermatt Bergbahnen AG. Gemeinsam betreiben sie seit dem 1. Mai im Schweizer Pavillon an der Expo 2010 eine Sesselbahn. Kosten: 2 Mio Fr. Die vierminütige Fahrt über eine Seillänge von 365 m ist eine der Hauptattraktionen der Weltausstellung - und der absolute Publikumsrenner. Bis zu vier Stunden stehen die geduldigen Chinesen Schlange, um auf den Sechs-Personen-Sesseln Platz zu nehmen.

Klar deshalb: Die drei Betreiberbahnen wollten die Chance nutzen, den Chinesen als potenziellen Europa-Touristen unser Land näher zu bringen. Geplant war, neben der Abgabe von Werbematerial, der Verkauf von typischen Souvenirs aus der Schweiz, beispielsweise von kleinen Taschenmesserchen. Doch aus diesen Plänen wurde nichts.

Serie von blutigen Angriffen

Geliefert wurden sie zwar, die 7000 Sackmesserchen von je 58 mm Länge - weiter als zum Flughafen Zürich-Kloten kam die Ladung allerdings nicht. Der Grund: Die Behörden wie auch das Organisationskomitee der Expo verboten knapp eine Woche nach der Eröffnung der Ausstellung sowohl Einfuhr wie Verkauf oder Gratisabgabe von Messern.

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Der Hintergrund: Ab Ende März erschütterte eine Serie von blutigen Angriffen auf Kinder ganz China. Innerhalb von sechs Wochen war es - ohne dass man bisher die Gründe eruieren konnte und ohne dass es direkte Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bluttaten gab - zu sechs Gewaltakten in Kindergärten gekommen. Eine bisher nie genannte Zahl Kinder wurde getötet. Begonnen hatte die Serie am 23. März: Ein früherer Arzt brachte in einem Kindergarten in Nanping in der Provinz Fujian mit einem Messer acht Kinder um; der Täter beschrieb sich später als beruflich und persönlich gescheitert. Alle Gewaltakte wurden mit handelsüblichen Küchenmessern und nicht mit Taschenmessern verübt.

Die Angst von Eltern vor einer Fortsetzung dieser Serie veranlasste die Behörden, den Verkauf von Messern im öffentlichen Raum zu verbieten. Deshalb blieb, wie Victorinox als Hersteller der Taschenmesserchen bestätigt, die für Schanghai bestimmte Lieferung in Kloten liegen. Inzwischen wurde das Werbematerial - mit Klinge, Scherchen, Nagelfeile, Zahnstocher sowie Pinzette und versehen mit den Logos sowie den Webadressen der Bergbahnen - von den Auftraggebern zurückgenommen. Die Messer sollen, wie Titlis-Rotair-CEO Albert Wyler bestätigt, anderweitig als Werbemittel eingesetzt werden.

Victorinox kennt den Rückschlag

Vom Verkaufsverbot direkt betroffen ist auch die Schweizer Messerschmiede Nummer eins, die Victorinox. Auch sie musste auf der Expo in Schanghai den Verkauf ihrer Messer einstellen. Für das Familienunternehmen aus dem schwyzerischen Ibach (Gruppenumsatz rund 500 Mio Fr.) ist ein derartiges Verbot nicht mehr neu. Auch auf den Flughäfen werden seit 9/11 im Duty-Free-Bereich keine Messer mehr verkauft.