SOLARIMPULSE. Nach mehr als 35 Jahren, nachdem der erste Mensch mit einer Omega-Uhr auf dem Mond spazierte, will die Swatch-Tochter als ein Hauptsponsor von Solarimpulse an die frühere Pionierleistung anknüpfen. Nächsten Sommer soll der Prototyp des Solarflugzeuges auf dem Flugplatz Dübendorf erste Hüpfer machen. Für 2011 plant Projektinitiator Bertrand Piccard die Erdumrundung, die erste mit einem allein durch Sonnenenergie betriebenen Leichtflugzeug.

«Solarimpulse ist nicht nur ein Flugzeug, sondern auch eine Vision für eine nachhaltige Energienutzung», sagt Piccard. Die Fragen nach den Risiken des Projekts beantwortet der Spross aus der bekannten Waadtländer Pionierfamilie stets mit folgendem Statement: «Das grösste Risiko ist nicht, ein Flugzeug zu bauen, das ununterbrochen ohne einen Tropfen Treibstoff fliegen kann, sondern dass wir weiterhin unseren Planeten mit der Verbrennung von 1 Mio Tonnen Treibstoff pro Stunde zerstören.»

Nestlé wurde nicht angefragt

Die potenziellen Schweizer Sponsoren schätzten die Risiken bisher offenbar anders ein. Als Piccard das Projekt 2003 erstmals vorstellte, plante er ein Vorhaben mit lauter Schweizer Sponsoren. Doch bis heute ist Omega der einzige Schweizer Hauptsponsor. Credit Suisse, Novartis und andere befanden, Solarimpulse passe nicht in die Sponsoringstrategie. Am umsatzstärksten Schweizer Konzern hat Piccard offenbar kein Interesse. Wie Nestlé-Sprecher François-Xavier Perroud auf Anfrage sagt, hat Piccard noch gar kein Dossier eingereicht. Die bisher gefundenen Sponsorengelder von 65 Mio Fr. stammen vor allem aus dem Ausland. Omega steuerte 15 Mio Fr. bei, die zwei weiteren Hauptsponsoren sind die Deutsche Bank und das Werkstoffunternehmen Solvay aus Brüssel. Die Idee eines Schweizer Projekts ist vom Tisch. Piccard will die zusätzlich benötigten rund 50 Mio Fr. für die zweite Projektphase in Asien und Amerika zusammentrommeln. Er zeigt sich zuversichtlich, dass mehr Sponsoren anbeissen, sobald Solarimpulse nächstes Jahr erstmals abhebt. «Spätestens dann wird allen klar, dass es sich nicht um einen Traum handelt.»Omega-CEO Stephen Urquhart ist nicht nur von Pionier Piccard begeistert, sondern auch von der Solartechnologie: «In 20 Jahren wird man so auf das Solarimpulse-Projekt zurückschauen wie seinerzeit auf die Brüder Wright nach ihrem ersten Motorflug.» Omega sieht sich nicht nur als Sponsor von Solarimpulse, sondern als Technologiepartner. Dank ihrem Know-how kann Omega Ingenieure, Material und Technik zur Verfügung stellen. Deren Wert beziffert Swatch-Chef Nicolas Hayek auf 3 bis 5 Mio Fr. Technologische Synergien zwischen der Swatch Group und Solarimpulse bestehen ausserdem im Bereich des Antriebssystems. Swatch entwickelte in den 1980er Jahren das Swatch-Mobil mit vier Elektromotoren, welche durch wiederaufladbare Batterien angetrieben wurden; solche befinden sich auch unter den Flügeln von Solarimpulse. Behauptete Swatch bisher, es sei keine spezielle Uhr im Zusammenhang mit Solarimpulse geplant, ist heute klar, dass Omega Solarimpulse auch direkt kommerziell nutzen wird. Urquhart sagt: «Wir lancieren eine Uhr zum Projekt Solarimpulse, der Rollout ist für nächstes Jahr geplant.»

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Piccard als Umsatztreiber

Der Omega-Mutter Swatch Group geht es beim Solarimpulse-Engagement nicht nur darum, das Image als Pionier-Unternehmen zu stärken. Der Konzern will zudem die Marke Omega höher positionieren und näher an Konkurrentin Rolex heranbringen. Heute steuert Omega über 1 Mrd Fr. oder ein Fünftel zum Swatch-Konzernumsatz bei. Swatch-CEO Nick Hayek sieht das Omega-Potenzial bei 2 bis 3 Mrd Fr. Auch wenn Omega schätzungsweise gleich viele Uhren verkauft wie die Genfer, erreichen Letztere mit höheren Preisen fast das Doppelte des Omega-Umsatzes. Gross ist die Kluft auch beim Markenwert. Gemäss Markenexperten liegt jener von Omega bei rund 3 Mrd Fr., jener von Rolex bei rund 6 Mrd Fr.Wenn sich das Sponsoring auf Markenwert und Absatz so auswirkt wie bei Breitlings Engagement in Piccards Weltumrundung mit Ballon Orbiter 3, lohnt sich für Omega das Solar-Abenteuer. Zahlen gibt Breitling zwar keine bekannt, doch die Rekordfahrt liess die Kassen des Hauptsponsors zünftig klingeln; er hat zudem den Bekanntheitsgrad des Grenchner Unternehmens massiv gesteigert.Während Omega lieber vom Engagement für Innovationen spricht, betont Deutsche-Bank-CEO Josef Ackermann den Zusammenhang zwischen Sponsoring von Innovationen und direktem Profit. «Immer mehr Aktionäre investieren in Unternehmen, die beim Umweltschutz und bei alternativen Energien führend sind», sagt er. Die kommerziellen Interessen der Bank im boomenden Anlagegeschäft, die das Thema Klimawandel aufnähmen, seien riesig.Doch: «Wir sind in Umweltbelangen nicht viel besser als alle anderen, aber ich verstehe immer mehr, dass Shareholdermaximierung wenig nützt, wenn wir dabei die Umwelt zerstören.»

Der Omega-CEO, Stephen Urquhart,

lanciert doch eine Uhr zum Projekt Solarimpulse.

Was verbindet Omega mit Solarimpulse?

Stephen Urquhart:

Das Solarimpulse-Projekt bewegt sich in den Fussstapfen der Pionierarbeit von Omega, insbesondere unseres Beitrags zur Eroberung des Weltraums und der Mondlandung.

Die Mondlandung ist über 35 Jahre her. Heute sind die Risiken beim Sponsoring viel höher.

Urquhart: Bei Solarimpulse geht es nicht um einen Rekord, es geht um zukünftige Technologien. Klar haben Prototypen Risiken. Omega ist aber mehr als nur ein Sponsor für Solarimpulse. Wir sind technische Partner und stellen Ingenieure und Material wie Zeitmesser und Testgeräte, welche die elektronischen Systeme des Flugzeugs simulieren können, zur Verfügung. Ich bin überzeugt, in 20 Jahren wird man so auf Solarimpulse zurückschauen wie seinerzeit auf die Brüder Wright mit ihrem ersten Motorflug.

Wie sorgt Omega dafür, dass die Welt von Solarimpulse erfährt?Urquhart: Durch Messen und Werbung. Wenn der Prototyp nächstes Jahr abhebt, werden wir die Kampagne stark ausweiten.

Ist eine spezielle Solarimpulse-Uhr geplant, etwa eine Spezialausgabe der Speedmaster-Kollektion?

Urquhart: Eine solarbetriebene Uhr, wie oft gefragt wird, wird es nicht geben. Da sind unsere mechanischen Uhrwerke effizienter. Aber wir lancieren eine Uhr zum Projekt Solarimpulse. Der Rollout ist für nächstes Jahr geplant.

Takeoff 2011

Takeoff 2011

Ommod

Dem publico

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