Der Staat ist zahlungsunfähig geworden, aber die Geschäfte der privaten griechischen Reedereien blühen. Die Manager investieren nebst in ihr Kerngeschäft in Immobilien, Hotelanlagen, neue Technologien und vor allem auch in Kunst und Literatur. Eine als Mäzenin lange bekannte Einrichtung, die Onassis-Stiftung, hat nun das Onassis Cultural Center gegründet, das im letzten November seine Pforten geöffnet hat, nur einige 100 Meter vom Akropolis-Museum entfernt.

Das Programm umfasst klassische und moderne Theaterstücke, Ausstellungen von Malern und Bildhauern sowie Musik und Tanz nach Werken griechischer Komponisten. Dazu kommen öffentliche Dialoge zu aktuellen Themen, wie etwa jüngst die Frage der neuen Abhängigkeit Griechenlands aufgrund der Kreditvereinbarung mit EU, EZB und IWF.

Neu am Konzept der Stiftung Alexandros Onassis, zum Gedenken an den Sohn von Aristotelis Onassis, der früh bei einem Flugzeugunfall verstarb, ist das andauernde Engagement im Bereich von Kunst und Literatur. Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Damit werden andere Wege beschritten als beim nahegelegenen Onassis-Herzzentrum, wo sich die Stiftung auf eine grosszügige Spende beschränkt hat.

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Das neue Kulturzentrum beeindruckt mit einer modernen Architektur. Der Bau wurde vom französischen Architecture Studio erstellt und umfasst 18 000 Kubikmeter, unterteilt in sieben Stockwerke und neun unterirdische Ebenen. Im laufenden Jahr stehen unter anderem der Tanz von Rootleroot, Musik des Paolo-Pandolfo-Ensembles und die Camerata (Medea) auf dem Programm. Dazu kommen unbekannte griechische Gesangsstücke von Christos Sakellaridis und Beata Pinsetic.

Das neue Onassis Cultural Center setzt in Athen einen willkommenen Akzent. Zu wünschen wäre jetzt nur, dass die grosszügigen Mäzene ihr Geld nicht nur für Kunst und Literatur spenden, sondern sich auch in Heilanstalten, Altersheimen, Gefängnissen einbringen, die im heutigen Griechenland so gar nicht kultiviert erscheinen. In der Vergangenheit taten das bekannte Wohltäter wie Averof, Syngros und Benakis.