Anfang Jahr erklärten die CEO der beiden grössten Schweizer Reiseunternehmen, dass sie für das Geschäftsjahr 2009 zumindest operativ einen Gewinn ausweisen werden (siehe «Handelszeitung» Nr. 1 vom 6. Januar 2010). Ob sie unter dem Strich profitabel waren, werden der Kuoni-Konzern und die zur Migros gehörende Hotelplan-Gruppe im März sagen.

Mittlerweile hat die Migros die Detailumsätze nach Geschäftssparten für 2009 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass der Gesamtumsatz ihrer Reisetochter um 16,1% auf 1,618 Mrd Fr. zurückgegangen ist. Nach eigenen Angaben am meisten gelitten haben die Auslandgesellschaften in Italien, England und Russland. Doch auch die Schweizer Geschäftseinheit, die fast die Hälfte zum Gesamtumsatz beisteuert, hat im einstelligen Prozentbereich verloren. Etwas besser als M-Travel Switzerland (vormals Hotelplan Schweiz und Travelhouse-Gruppe) erging es dem Ferienhausvermittler Interhome, der bloss stagnierte.

Travel.ch «vervielfacht» Gewinn

Das einzige Glanzlicht in der Bilanz der Hotelplan-Gruppe für 2009 dürfte somit die kleinste der sechs Geschäftseinheiten gewesen sein: Travelwindow. Das 2000 in Zürich gegründete KMU mit dem Online-Reisebüro Travel.ch befindet sich seit 2005 im Mehrheitsbesitz der Migros-Reisetochter -wobei diese auf den ersten Blick kaum als Mutter zu erkennen ist.

«Ich habe mir schon damals ausbedungen, eine Stand-alone-Firma innerhalb der Hotelplan-Gruppe zu bleiben», erklärt Roland Zeller, Geschäftsführer und Minderheitsaktionär von Travelwindow sowie Mitglied des Executive Committee der Migros-Reisetochter. Die Rechnung scheint aufzugehen: 2009 konnte Travelwindow laut Zeller die Passagierzahlen um 57% auf 78 476 steigern, den Bruttoerlös um 71% erhöhen und den Reingewinn vervielfachen. «Wir sind schuldenfrei und zahlen eine Dividende», sagt er. 2008 resultierte mit 49 972 Passagieren (+42%) ein bereinigter Nettoerlös von 8,1 Mio Fr. (+65%).

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Nun folgt der Schritt ins Ausland

Auch wenn Zeller im Schweizer Online-Reisemarkt - er schätzt ihn auf ein Umsatzvolumen von 1,5 Mrd Fr. - noch lange nicht ans Limit stösst, wagt er den Schritt über die Grenze. Seit Kurzem ist neben Travel.ch neu Travel.at aufgeschaltet. «Wir beginnen in Österreich, weil wir da schmerzfrei auf Deutsch testen können, ob unser Produkt auch im Ausland ankommt», ergänzt Zeller.

Dafür investiert Travelwindow samt Tochtergesellschaft in Wien und österreichischer Reisebürolizenz in den ersten beiden Jahren 500000 Fr. Den Break-even will Zeller bereits Ende 2011 schaffen. Im ersten Jahr rechnet er mit 10000 Passagieren aus Österreich. Zu-sammen mit den erstmals über 100000 budgetierten Passagieren aus der Schweiz strebt Zeller 2010 ein Umsatzwachstum von 50% an.