Der Opel-Standort im deutschen Bochum wird bis 2016 die Produktion ganzer Autos einstellen. In dem 50 Jahre alten Werk könnten bis zu 3000 Stellen wegfallen. Die Stimmung sei aggressiv gewesen, berichteten Teilnehmer der Personalversammlung, an der Opel-Interimschef Thomas Sedran die Schliessung bekanntgab.

Als der Opel-Chef nach seiner kurzen Ansprache durch einen Hinterausgang den Saal verlassen wollte, waren die Opelaner empört. Ein Vertrauensmann der Gewerkschaft IG Metall versuchte, Sedran aufzuhalten, wurde aber von Security-Mitarbeitern zu Boden gestossen.

Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel griff in der anschliessenden Pressekonferenz Sedran scharf an: «Er hat ein entwürdigendes Bild abgegeben. Wir schämen uns für sein Verhalten», zitiert «Bild.de» Einenkel. Die Zeitung schreibt weiter, im Saal seien 50 Sicherheitskräfte postiert gewesen während der Betriebsversammlung. Vor dem Werk solle erhöhte Polizei-Präsenz für Ruhe sorgen.

Angestelltenvertreter kündigten Widerstand gegen die Abbaupläne an: «Eine Kampfansage an die Beschäftigten», hiess es in einer ersten Stellungnahme der Gewerkschaft IG Metall. Die Arbeitnehmer würden nun alle Optionen prüfen, sagte ein Sprecher. Auch Streiks wurden nicht ausgeschlossen.

Sedran hatte den Beschluss mit europaweiten Überkapazitäten des Unternehmens begründet. Opel werde aber in Bochum weiter präsent sein: mit einem Logistikzentrum und der Herstellung von Autokomponenten.

Auf ehemaligem Zechengelände

Das Bochumer Opel-Werk ist das älteste in Deutschland nach dem Rüsselsheimer Stammwerk. Hier liefen zum Beispiel zahlreiche Generationen des Opel-Bestsellers Kadett vom Band. Es galt lange Zeit als Beispiel für gelungenen Strukturwandel, denn das Werk entstand auf einem ehemaligen Zechengelände und übernahm bei Produktionsbeginn 1962 zahlreiche ehemalige Kumpel ans Band.

Über ein Aus für den Standort im Ruhrgebiet wurde jedoch schon seit längerem spekuliert. Opel schreibt seit vielen Jahren rote Zahlen, Bochum gilt als Stätte mit relativ hohen Lohnkosten. Die Absatzkrise in Europa verschärfte die Lage zusätzlich.

Obwohl sich der Markt in den kommenden Jahren kaum erholen dürfte, wollen Opel und die US-Mutter General Motors bis zur Mitte des Jahrzehnts die Gewinnschwelle erreichen. Dazu sollen auch die Materialkosten gesenkt und die Marke gestärkt werden.

(tno/sda)

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