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Orange leistet Sunrise Schützenhilfe

Nach Sunrise fordert nun auch Orange die Trennung von Netz und Diensten bei der Swisscom. Dies sei für einen wirklichen Wettbewerb nötig.

Von Michael Kuhn
am 15.01.2008

Die Front gegen Swisscom wird breiter. Nach Sunrise verlangt nun auch Orange die Aufsplittung des Telekomriesen nach Netz und Diensten .«Diese Trennung im Festnetzbereich ist grundsätzlich eine gute Idee», sagt Andreas Wetter der «Handelszeitung». Der Chef von Orange Schweiz beruft sich auf «die erfolgreiche Ausgliederung der Festnetzinfrastruktur» bei British Telecom in die Gesellschaft Opennet. Diese stellt das Netz allen Anbietern zu den gleichen Konditionen zur Verfügung. Gleiches soll auch bei Swisscom geschehen: Deren Kupfer- und Glasfaserinfrastruktur – also die Kabel und Röhren im Boden – würden in eine separate Einheit oder eine Tochtergesellschaft ausgelagert. Diese müsste allen Marktteilnehmern, wie Sunrise oder Orange, zu denselben Preisen Zugriff darauf gewähren.

Für Swisscom ein Horrorszenario. CEO Carsten Schloter spricht von «Enteignung» und einer drohenden fatalen Entwicklung für die Schweiz. Das Sunrise-Topkader, allesamt ehemalige Swisscom-Leute, bezeichnet er als unglaubwürdig. Ein Kompromiss scheint unmöglich – und wird mit dem klaren Positionsbezug von Orange gänzlich unwahrscheinlich.

«Im Festnetzbereich sind die Infrastrukturinvestitionen für eine landesweite Breitbandversorgung derart gross, dass es sich höchstens der mehrheitlich im Staatsbesitz stehende Ex-Monopolist leisten kann, diese zu bauen», erklärt Andreas Wetter. «Swisscom wird dieses Netz mit Sicherheit dazu nutzen, um seine Wettbewerber, so wie heute, auf kleiner Flamme zu halten. Der Ex-Monopolist wird auf diese Infrastruktur keinen, einen stark überteuerten oder einen, über den Weg durch die Instanzen, stark verzögerten Zugriff gewähren.»

Wirklicher Wettbewerb sei deshalb nur möglich, wenn alle Marktteilnehmer zu den- selben Bedingungen wie Swisscom Zugriff auf die Festnetzinfrastruktur haben. Wetter zweifelt jedoch daran, dass dazu der notwendige politische Wille überhaupt vorhanden ist: «Die Politik und der Gesetzgeber wollen zwar einen liberalisierten Markt, aber nur gerade so weit, dass es dem behüteten Ex-Monopolisten nicht wirklich weh tut. Und damit die jährlichen Milliardenbeiträge für die Staatskasse nicht gefährdet sind.»

Warnung vor Halbherzigkeit

Die Politik wäre laut Wetter gut beraten, bei der Liberalisierung nach dem Motto «Ganz oder gar nicht» zu verfahren. «Weitere halbherzige Schritte schrecken Investoren ab und schaden dem Markt mehr, als dass sie nützen.»

Einen solchen Schritt schlug Swisscom-Chef Carsten Schloter vor wenigen Wochen vor: Unsinnig sei es, Schächte und Leitungskanäle mehrfach zu bauen. «Hier ist es sinnvoll, zusammenzuarbeiten», so Schloter. Eine Auslagerung des gesamten Festnetzes komme jedoch nicht in Frage.

 

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