Orange ist nach dem Nein der Wettbewerbskommission (Weko) zur Fusion mit Sunrise bereit, Konzessionen einzugehen: Nach Informationen der «Handelszeitung» will sich Orange bereit erklären, Konkurrenten wie Cablecom einen diskriminierungsfreien Zugang zu ihrer Mobilfunk-Infrastruktur zu gewähren. Damit könnte Orange Drittanbietern nur jene Preise verrechnen, die sie effektiv ausweist. Dies wäre ein massives Preiszugeständnis. Orange-Sprecherin Therese Wenger sagt dazu nur: «France Télécom und das Sunrise-Mutterhaus TDC sind derzeit daran, alle Möglichkeiten und nächsten Schritte zu evaluieren. Eine definitive Entscheidung ist noch nicht gefällt worden.»

Cablecom setzt wohl auf Orange

Klar ist: Im ersten Anlauf zur Fusion mit Sunrise hatte sich Orange gegen solche Auflagen gewehrt. Um die Fusion doch noch zu retten,macht man aber ganz offensichtlich Abstriche am ursprünglichen Businessplan. Wäre allenfalls auch die Swisscom, die rund 60% Marktanteil im Mobilfunk hat, freiwillig bereit, ihr Netz ebenfalls zu tiefen Preisen Dritten zu öffnen? Immerhin hat sie die Fusion ihrer Konkurrenten befürwortet. Hinter den Kulissen heisst es, wenn dies nötig sei, lasse die Swisscom mit sich reden. Swisscom-Sprecher Sepp Huber bleibt indes vage: «Mobilfunkanbieter müssen für die Nutzung der Infrastruktur angemessen entschädigt werden. Tatsache ist, dass wir schon seit Jahren unser Mobilfunknetz geöffnet haben und zum Beispiel über M-budget-mobile mit Drittanbietern kooperieren.»

Orange verhandelt seit Monaten mit der Cablecom um einen solchen Netzzugang. Der Kabelnetzbetreiberin fehlt ein eigenes Mobilfunkangebot. Der bisherige Vertrag mit Sunrise läuft aus, und so richtig hat Cablecom bisher nie Gas gegeben im Mobilfunk. Das soll sich ändern - wenn man denn einen neuen Partner finden würde. Die Gespräche verliefen jedoch lange Zeit harzig. Cablecom-Chef Eric Tveter beschwerte sich kurz vor dem Weko-Entscheid in der «Handelszeitung»: «Derzeit haben wir keine Offerte vorliegen, die unseren Erwartungen entspricht.»

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In der Zwischenzeit habe sich Orange deutlich bewegt, heisst es aus Verhandlungskreisen. Insider gehen davon aus, dass der Abschluss eines Vertrages zwischen Orange und Cablecom schon sehr bald unter Dach und Fach sein wird. Offiziell will Cablecom über Details der Verhandlungen keine Auskunft geben. «Wir hoffen, die Verhandlungen im Laufe der kommenden Monate abzuschliessen, um dann einen Beitrag zur Belebung des Wettbewerbs im Mobilfunkmarkt zu leisten», sagt Sprecher Andreas Hildenbrand.

Orange stärker unter Druck

Für France Télécom ist die Situation nach dem Nein der Weko zur Fusion jedenfalls verzwickt: Im Gegensatz zu Sunrise betreibt Tochter Orange kein eigenes Festnetz und kann deshalb keine Breitbandangebote offerieren. Zudem gibt es gemäss Branchenkennern Nachholbedarf im Netzunterhalt, und die Shops, die man nach der Übernahme von City Disc betreibt, sind im Verhältnis relativ teuer.

Sunrise-Mutterhaus TDC dagegen ist weniger unter Druck. Zwar wollte man ursprünglich noch im ersten Halbjahr Aktien an der Börse platzieren, nachdem TDC mit ihrem Mehrheitseigner NTC fusioniert hate. Ziel des Zusammenschlusses waren ein einfacherer Unternehmensaufbau und eine bessere Kapitalstruktur. Vor diesem Hintergrund wäre es sicher wünschenswert gewesen, hätte die Fusion zwischen Sunrise und Orange bereits stattgefunden.

Unter Zugzwang ist TDC deswegen aber nicht: Tochter Sunrise wird durch die Verzögerung nach dem Nein der Weko zur Fusion nicht weniger wert. Das Unternehmen ist gut aufgestellt und hat fürs 1. Quartal 2010 ansprechende Zahlen präsentiert: Umsatz +2,5%, Ebitda +13,9%. Zudem hielt das Kundenwachstum an: Im März verzeichnete Sunrise die höchste Anzahl neuer Kundenabschlüsse im Bereich Mobile Postpaid (Abokunden) in der Unternehmensgeschichte.