CVC hat Sunrise für 3,3 Milliarden Franken übernommen. Zu diesem Preis wäre das ein für Schweizer Verhältnisse sehr grosser Börsengang. Hat Sunrise bei den Anlegern Chancen?
Uwe Neumann: Momentan sind Telecom-Titel in Europa dank einiger Aktivität am M&A-Markt und erleichterter Regulierung gut bewertet. Eine marktübliche Bewertung liegt derzeit etwa beim Sechsfachen des Betriebsgewinns auf Stufe Ebitda – also dem Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibern und Amortisierung. Nach der aktuellen Guidance des Managements müsste ein Sunrise-Börsengang dementsprechend etwa sechs Mal 630 Millionen bringen. Mit einem solchen Verkaufspreis könnte CVC zufrieden sein – allerdings ist angesichts der geringen Grösse von Sunrise mit Abschlägen zu rechnen. Deshalb dürfte es kaum ein IPO geben. Aus einem Verkauf von Sunrise an ein anderes Unternehmen würde allerdings vermutlich dank erhoffter Synergien ein kleiner Aufpreis resultieren.

Wäre in dem Fall der Zusammenschluss mit Cablecom eine Alternative?
Die Cablecom-Mutter Liberty ist derzeit in ganz Europa auf Einkaufstour. Cablecom schlägt sich im Festnetz-Bereich gut gegen die Swisscom – und eigentlich ist der Mobile-Sektor eine gute Ergänzung dafür. Allerdings hat sich Cablecom für das eigene Mobile-Angebot im Netz von Orange eingemietet. Deshalb ist nicht zu erwarten, dass sich das Unternehmen die Infrastruktur von Sunrise aufbürden will. Vor allem auch, weil allgemein der Trend hin zu «Mobile Lite» geht: Anbieter mieten Netzwerk-Infrastruktur, anstatt auf eigenes Risiko Sendemasten aufzustellen.

Wer würde sich denn als Partner oder Käufer von Sunrise anbieten?
Orange würde ideal zu Sunrise passen. Allerdings haben die Schweizer Wettbewerbsbehörden das schon einmal verhindert. Eine Chance bestünde höchstens noch, wenn die Regulatoren auch in den umliegenden Ländern eine stärkere Konsolidierung zuliessen. Dann könnten die beiden kleineren Schweizer Anbieter einen neuen Versuch für einen Zusammenschluss wagen.

Auch der mexikanische Telekom-Magnat Carlos Slim wurde als möglicher Käufer gehandelt. Das nötige Kleingeld hätte er – was schreckt ihn ab?
Vor wenigen Jahren wäre eine solche Spekulation noch plausibel gewesen. Momentan rüstet sich Carlos Slims América Móvil aber für einen Kampf um Brasilien gegen Telefónica. Dort steht eine Marktkonsolidierung an und für diese braucht es gut gefüllte Kassen. Deshalb werden sich wohl diese beiden Grossen in Europa zurückhalten und ihre Kräfte in Südamerika bündeln.

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Ein Börsengang würde also zuwenig Geld bringen, ein Verkauf an einen Konkurrenten scheint momentan nicht gegeben – kann denn Sunrise allein überleben?
Ja. Auch wenn das Unternehmen im Festnetz-Bereich Marktanteile verliert, wird es sich wohl behaupten können. Es fällt dem – relativ neuen – Management einfach schwer, entschieden in Wachstum zu investieren, weil die Firma recht hohe Schulden hat. Langfristig sich Sunrise aber behaupten.