Der IS-Terror vermiest Tourismus-Investor Samih Sawiris das Geschäft – und die Lage ist offenbar düsterer als bislang zugegeben. Das zeigt ein Interview des Orascom-Chefs. «Bei unseren Hotels erwarte ich einen Einnahme-Rückgang um 10 Prozent», sagte Sawiris nun dem «Handelsblatt». «Für die Gesamtgruppe dürfte das Minus 5 Prozent betragen.»

Bei Orascom befürchtet man offenbar, dass der Abschuss eines russischen Ferienfliegers vor wenigen Wochen nachhaltig das Geschäft schädigen wird. «Am Standort Taba im Sinai werden wir daher zwei von drei Hotels komplett einmotten und das Personal entlassen, das trifft rund 1500 Menschen.» Auch der Standort Makadi auf dem ägyptischen Festland ist betroffen, wohin fast 40 Prozent der Gäste aus Russland anreisen. Laut Bericht will Sawiris dort zwei Hotels für längere Zeit schliessen.

Orascom stark auf Ägypten fokussiert

Ägypten ist der mit Abstand wichtigste Markt für den Hotelbauer Orascom – rund 90 Prozent der Kapazitäten der Gruppe liegen dort. Zuletzt gab sich der Konzernchef wiederholt hoffnungsvoll und verwies darauf, dass ein etwaiger Einbruch in dem arabischen Land durch Zuwächse in anderen Märkten aufgefangen werden könnte.

Der jüngste Terroranschlag in Ägypten belastet den für das Land wichtigen Tourismussektor. Ende Oktober kamen 224 Menschen bei dem Abschuss eines Ferienfliegers ums Leben. Der ägyptische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) schoss nach eigenen Angaben die russische Passagiermaschine auf dem Sinai ab.

Sawiris kritisiert europäische Regierungen stark

«Die Attentäter wollen Ägyptens Regierung in die Knie zwingen, um den Sinai als Rückzugsraum für Terroristen zurückzuerobern», so Sawiris in dem Medienbericht. Laut Sawiris hätten die Regierungen Europas zur Destabilisierung der Region beigetragen und den Terrorismus gefördert. «Der Westen hat in Ländern wie Syrien und Libyen alte Strukturen zerschlagen und dann ein Vakuum hinterlassen, zitiert ihn das «Handelsblatt».

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In den kommenden Monaten will der ägyptische Investor wieder einen Chef für das operative Geschäft einsetzen. Bisher amtet er selbst als Konzernchef und als Präsident. «Wir sind zuversichtlich, dass meine Tour als CEO vor der nächsten Generalversammlung im April 2016 zu Ende geht», sagte er im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

«Ich kann mir kein Fiasko erlauben»

«Ich kann mir kein Fiasko erlauben», sagt er weiter. «Ich habe zwei CEO's geholt und mich wieder von ihnen trennen müssen. Das darf nicht wieder passieren. Sonst glauben dann wirklich alle, dass ich nicht loslassen kann», sagte er weiter.

(moh)