Der Chef der Orell Füssli Holding gibt sich zurückhaltend, wenn es um die Verzögerung bei den Schweizer Banknoten geht. «Mit der neuen Banknote gelangen wir an die Grenze des physikalisch Machbaren, deshalb besteht das Risiko der Rückschläge», sagt Michel Kunz im Interview mit der «Handelszeitung» «Und dieses muss man bei Innovationen in Kauf nehmen.». Die Ehrenrunde sei vertretbar, aber ärgerlich. Zu einem neuen Zeitpunkt der Lancierung will sich Kunz nicht äussern.

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Derweil kündigt Kunz an, sich für den Erhalt der Marke Orell Füssli im Buchhandel einzusetzen: «Ich werde nicht zulassen, dass die Marke Orell Füssli verschwindet.» Nach seinem Dafürhalten sei die Marke  stärker in der Bevölkerung verankert als Thalia. 

Die Joint-Venture-Partner Orell Füssli und Thalia müssten sich in den kommenden Wochen einigen, wie die gemeinsamen 35 Filialen und der Internetauftritt heissen und aussehen sollen. Das gelte auch für die Standorte der Filialen. Eine Schliessung im grossen Stil soll es nicht geben. «Ich gehe nicht davon aus, dass es einen grossen Rutsch geben wird.»

In den kommenden drei Jahren wollen die beiden Buchhändler Orell Füssli und Thalia das Joint Venture «zum Fliegen» bringen. «Wir haben eine Ertragserwartung, die in der Summe der beiden Partner klar höher ist als bisher. Zwar nicht im ersten Jahr, weil wir investieren müssen, aber in den Folgejahren erwarten wir eine deutlich bessere Rendite als bisher.» Ganz aus dem Buchhandel aussteigen will Orell Füssli nicht. Das sei nicht Teil der Strategie, beteuert Kunz.

Amazon zunehmend ein «Feld-Wald-und-Wiesen-Anbieter»

Mit der Joint-Venture-Strategie wollen sich Orell Füssli und Thalia gegen das Wachstum des Internet-Giganten Amazon wehren. Die Amerikaner haben in der Schweiz einen Marktanteil von 20 Prozent. Kunz sagt aber: «Wir hüten uns davor, ein Abklatsch von Amazon zu werden. Unsere Stärke liegt ganz klar in der Nähe zum Schweizer Konsumenten und damit im Sortiment.»

Im Preiskampf kann das Joint Venture aber nicht endlos mithalten. «Die Preisfindung ist natürlich wichtig, denn Internetkunden sind preissensitiver. Doch können wir die Preise nicht beliebig senken,» sagt Kunz.

Von Amazons Strategie hält der Orell-Füssli-Chef nicht viel. «Früher war Amazon auf den Buchhandel und die Musik fokussiert. Heute ist das Unternehmen zunehmend ein Feld-Wald-und-Wiesen-Anbieter, wodurch sich die Marke verwässert.» Da sieht sich der Orell-Füssli-Chef im Vorteil: «Wenn die Aktionäre irgendwann einmal mehr Profit verlangen, könnte sich das zu unseren Gunsten auswirken. Dann muss Amazon entweder mit den Kosten runter oder die Preise erhöhen.»

Lesen Sie das ganze Interview in der neuen Ausgabe der «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk.