Weiterbildung ist lebensnotwendig. Früher konnten Arbeitnehmer jahrzehntelang in einem Unternehmen tätig sein, ohne jemals einen Kurs besucht zu haben. Das ist heute undenkbar. Wer sich nicht ein Leben lang durch Lehrgänge im Betrieb oder an einer Schule à jour hält, sich weiter qualifiziert oder spezialisiert, wird irgendeinmal nicht mehr arbeitsmarktfähig sein, wie das Unwort heisst.

Diese Erkenntnis ist inzwischen so weit verbreitet, dass oft der Stossseufzer zu hören ist: «Ich müsste wieder einmal etwas für meine Weiterbildung tun.» Das ist natürlich Unsinn. Es sei denn, jemand entwickle eine Leidenschaft für das Sammeln von Diplomen statt Briefmarken. In den meisten Fällen aber steht zuerst das Ziel fest, dann folgt die erforderliche Art der Weiterbildung. Wer zum Beispiel anspruchsvolle Aufgaben und eine Führungsrolle im Konzernrechnungswesen oder im internationalen Controlling übernehmen will, kommt um die Höhere Berufsprüfung als Experte in Rechnungslegung und Controlling fast nicht herum.

214 Fachausweise, 163 Diplome

An der Auswahl fehlt es nicht: Die berufliche Weiterbildung in der Schweiz ist so vielfältig, dass es für fast jede Funktion eine anerkannte Prüfung mit Fachausweis gibt, für viele auch mit Diplom. Ein Fähigkeitszeugnis in den über 200 Lehrberufen, ausreichende Praxis und schliesslich die Berufsprüfung sind Voraussetzung für einen Fachausweis. Kurse sind zwar nicht vorgeschrieben, aber fast nicht zu vermeiden, wenn sich jemand auf die Prüfung ausreichend vorbereiten will. Insgesamt 214 Fachausweise sind anerkannt, von A wie Archäologischer Grabungstechniker bis Z wie Zollfachmann. Bei manchen ist nicht auf Anhieb klar, für welche Tätigkeit sie eigentlich geschaffen wurden, andere sind geradezu skurril. Aber offenbar drängte sich ein Fachausweis für einen Führungsfachmann auf, der ein Team in personeller und betriebswirtschaftlicher Hinsicht leiten soll.

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Die nächste Stufe ist das Diplom. Voraussetzung ist eine Höhere Fachprüfung, zu der nur zugelassen wird, wer die entsprechende Praxis nachweisen kann. Anerkannt sind 163 Diplome vom Arbeitsagogen bis zum ZeichnerKonstrukteur. Was ist das, ein Arbeitsagoge? Gemeint sind Experten, die Menschen mit erschwertem Zugang zur Arbeitswelt bei der beruflichen Integration helfen. Doch was tun diplomierte Berater im ländlichen Raum? Sie «unterstützen bäuerliche Betriebe, Haushalte und Organisationen in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung», wie es heisst.

Niemand wird sich also über mangelnde Auswahl beklagen können. Für die meisten Prüfungen gibt es Vorbereitungskurse an mehreren Schulen. Diese stehen in einem harten Wettbewerb, der Weiterbildungsmarkt gleicht immer mehr einem Dschungel. Jedermann ist es freigestellt, Programme nach Belieben anzubieten.

Nützliche Qualitätsindikatoren

Eine Orientierungshilfe ist das Zertifikat Eduqua, hinter dem das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) steht. Dieses Gütesiegel belegt, dass minimale Qualitätsstandards eingehalten sind. Geprüft werden «das Angebot einer Schule, die Kommunikation mit den Kunden, die Art und Weise der Leistungserbringung, das eingesetzte Personal, der Lernerfolg sowie Qualitätssicherung und -entwicklung», wie die Verantwortlichen schreiben.

Trotzdem sollten sich Interessenten die wichtigsten Informationen selbst verschaffen (siehe Kasten). Gespräche mit Absolventen, Teilnehmern und - wenn immer möglich - den Personalfachleuten im eigenen Betrieb erleichtern die Wahl. Der Aufwand lohnt sich. Wer ein Auto kaufen will, geht schliesslich auch nicht zum nächsten Händler und fährt zehn Minuten später los.