Der Von-Roll-VR lehnt die Anträge der Investorengruppe von Finck ab, die an der ausserordentlichen GV vom 13. August 2007 behandelt werden. Werden Ihnen die Kleinaktionäre folgen?

Oskar Ronner: Wir glauben, dass wir überzeugende Argumente haben. Wir werden alles dafür tun, um unseren Aktionären verständlich zu machen, dass Von Roll nun vor einer wegweisenden Entscheidung steht. Deshalb wünschen wir uns, dass möglichst viele Aktionäre an der GV teilnehmen. Grundsätzlich sind wir jedenfalls zuversichtlich.

Trotzdem besteht die Möglichkeit, dass sich von Finck durchsetzt.
Haben Sie Veränderungen in seiner Beteiligung registriert?

Ronner: Ein Paket in der Höhe von 9% wechselte ausserbörslich den Besitzer, wir haben allerdings keine Meldung erhalten.

Das legt die Vermutung nahe, dass von Finck seine Beteiligung von zuletzt 22,23% auf knapp unter 33% erhöht hat.

Ronner: Das kann sein, wir wissen es nicht. Fakt ist: Die nächsthöhere Meldeschwelle liegt erst bei 33,33%.

Hat die zweite Investorengruppe, die aus Ihnen, VR-Mitglied Thomas Straumann und Rudolf Maag besteht, die Absicht, die Beteiligung von heute 20,8% zu erhöhen?

Ronner: Dazu möchte ich mich zum heutigen Zeitpunkt nicht äussern.

Dementieren Sie, dass eine solche Absicht besteht?

Ronner: Kein Kommentar.

Suchen Sie im Vorfeld der GV nach einem Weissen Ritter?

Ronner: Nein.

Wie verhält sich Ihre Gruppe, wenn sich von Finck durchsetzt?

Ronner: Thomas Straumann und ich legen als Vertreter unserer Aktionärsgruppe per sofort unsere VR-Mandate nieder – und wie ich weiss, ebenso die beiden unabhängigen VR-Mitglieder Thierry Lalive und Alfred Niederer.

Was geschieht in einem solchen Fall mit dem Paket Ihrer Gruppe?

Ronner: Unsere Beteiligung, die heute eine strategische ist, würde sich zu einem reinen Finanzinvestment wandeln.

Käme dann auch ein Verkauf Ihrer Beteiligung in Frage?

Ronner: In dieser Hinsicht halten wir uns alle Optionen offen.

Wie verhalten Sie sich, wenn die Anträge von Fincks scheitern?

Ronner: Dann bleibt alles, wie es heute ist. Die Erfolgsstrategie werden wir fortsetzen.

Wie lange möchte Ihre Aktionärsgruppe investiert bleiben?

Ronner: Wir wollen weiter unseren Beitrag leisten. Wir haben uns keine Exit-Strategie zurechtgelegt, wie dies bei Finanzinvestoren üblich ist. Nein, wir können uns vorstellen, noch sehr lange bei Von Roll zu bleiben. Das Unternehmen ist 185 Jahre alt, ist stark international ausgerichtet und weist ein hohes Potenzial auf.

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Gab es in den vergangenen Wochen Kontakte mit der Gruppe von Finck?

Ronner: Wir haben herauszufinden versucht, was die Gruppe von Finck mit diesem Schritt erreichen will. Wir haben sowohl schriftlich als auch mündlich versucht, zusätzliche Informationen zu erhalten. Das ist uns bis heute leider nicht gelungen.

Sie tappen im Dunkeln?

Ronner: Ja.

Sind weitere VR-Treffen im Vorfeld der ausserordentlichen GV geplant?

Ronner: Ja, wir haben VR-Sitzungen zu anderen Themen angesetzt.

Wohin soll Von Roll mittelfristig?

Ronner: In fünf Jahren soll Von Roll 1 Mrd Fr. Umsatz erzielen und eine Gewinnmarge nach Steuern von 10% erreichen. Dieses Wachstum können wir aus selbst erarbeiteten Mitteln schaffen. Zudem sehen wir Potenziale für eine weitere Mrd Fr. Umsatz. Für einen solchen Schritt müssten dann aber auch Zukäufe getätigt werden.

Wie viel kann Von Roll für Akquisitionen aufbringen?

Ronner: Aus heutiger Sicht rechnen wir mit 700 bis 900 Mio Fr., wovon wir die Hälfte selber finanzieren. Der Rest könnte über eine genau definierte Kapitalerhöhung beschafft werden.

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Vorgeschichte Am 15. Mai 2007 beantragte die Investorengruppe von Finck, die zuletzt 22,23% an Von Roll hielt, eine ausserordentliche Generalversammlung. Ihre Begehren: Die Zuwahl von vier eigenen VR. Damit wäre von Finck im dann neunköpfigen VR mit fünf Personen vertreten. Bei Genehmigung beantragt von Finck eine Kapitalerhöhung.

Generalversammlung Der VonRoll-VR lehnt beide Anträge von Fincks ab und empfiehlt denVon- Roll-Aktionären, seinem Entscheid an der Generalversammlung vom 13. August 2007 zu folgen. Die Börse reagierte positiv: Die Von-Roll-Aktie stieg nach Bekanntgabe des VR-Entscheids am Dienstag um gut 2% auf zuletzt 11 Fr.