Sie haben unter dem Motto «Jede Stimme zählt» grossflächige Inserate geschaltet, um möglichst viele Aktionäre an die ausserordentliche Generalversammlung zu holen. Wie ist das Feedback?
Oskar Ronner: Es haben sich bereits sehr viele Aktionäre für die GV angemeldet. Natürlich bekommen wir auch persönliche Rückmeldungen. Aktionäre begrüssen, dass die Inserate publiziert wurden. Viele haben erst damit realisiert, dass die Situation tatsächlich ernst ist, in der Von Roll steckt.

Es zeichnet sich also eine vergleichsweise hohe Beteiligung ab?
Ronner: Ja, danach sieht es aus.

Hält die Aktionärsgruppe, die aus Ihnen, VR Thomas Straumann und Rudolf Maag besteht, nach wie vor 20,8% an Von Roll?
Ronner: Ja.

Haben Sie Pläne, wenige Tage vor der ausserordentlichen GV doch noch aufzustocken?
Ronner: Wir halten uns alle Optionen offen.

Wie viel ist Ihnen der Sieg an der GV wert?
Ronner: Uns geht es nicht um den Sieg der einen Aktionärsgruppe über die andere. Thema ist, dass der heutige VR, mit Ausnahme des von-Finck-Vertreters Gerhard Peskes, der Ansicht ist, dass der eingeschlagene Weg der richtige für Von Roll ist. Und wir halten es für falsch, dass von Finck über eine Mehrheit im VR das Unternehmen dominieren will, ohne aber die finanziellen Mittel für eine komplette Übernahme des Konzerns aufzuwenden.

Alle VR-Mitglieder mit Ausnahme von Gerhard Peskes werden zurücktreten, sollte sich von Finck mit seinen Anträgen durchsetzen. Wie wird das Von-Roll-Management reagieren?
Ronner: Unsere Strategie haben wir gemeinsam mit dem Management erarbeitet, es steht vollumfänglich hinter uns. Ich schliesse daher nicht aus, dass auch das Management seine Konsequenzen ziehen würde.

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Wie reagiert die Belegschaft auf den schwelenden Streit?
Ronner: Natürlich sind unsere Mitarbeiter verunsichert. Erschwerend kommt hinzu, dass wir neuerdings gewisse Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Angestellten verzeichnen. Zwar können wir attraktive Positionen vergeben, doch interessierte Kandidaten möchten verständlicherweise den Entscheid der GV abwarten.

Droht Von Roll der Verlust wichtiger Know-how-Träger, wenn von Finck die Kontrolle übernimmt?
Ronner: Das wird sich zeigen. Doch die Erwartung unserer Mitarbeiter ist schon, dass die von uns aufgegleiste Strategie - die Erfolg bringt, wie die Semesterzahlen zeigen - jetzt umgesetzt wird.

Der jüngste Schritt bei der Implementation Ihrer Pläne ist der Kauf der US-Firma John Dolph, eines Spezialisten für Isolationslösungen im Bereich Lacke und Harze. ­Folgen weitere Käufe in diesem Bereich, den Von Roll ja stärken will?
Ronner: Wir haben auf jeden Fall weitere Dossiers auf dem Tisch, die wir ernsthaft prüfen.

Können Sie das präzisieren?
Ronner: Ich komme gerade aus China zurück, wo wir Gespräche mit einem lokalen Unternehmen führen, das Isolationsprodukte auf Glimmerbasis herstellt.

Aber Von Roll ist bei Glimmer-­produkten bereits sehr stark ­aufgestellt. Warum planen Sie in diesem Bereich Akquisitionen?
Ronner: Die chinesische Firma soll uns helfen, den asiatischen Markt noch breiter und rascher zu erschliessen. In China und Indien verzeichnen wir derzeit rasante Wachstumsraten. Von Roll soll davon noch stärker profitieren können. Mit der Akquisition von Dolph dagegen haben wir technologisches Know-how eingekauft. Der Marktzugang spielt dort weniger eine Rolle.

Dolph erzielte einen Jahresumsatz von zuletzt 17 Mio Fr. Wird sich ein nächster Zukauf in einer ähnlichen Grössenordnung bewegen?
Ronner: Nächste Akquisitionen können durchaus grösser sein. Entscheidend ist allerdings, wie die Verhandlungen verlaufen.

Von Roll soll bis 2012 einen Umsatz von 1 Mrd Fr. generieren. Ist dies nicht schon früher möglich?
Von Roll: Wir arbeiten daran, überall möglichst rasch vorwärts zu kommen und unsere Ziele früher zu erreichen.