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Fernbus
Österreichischer Flixbus-Rivale will Schweiz erobern

Ludwig Richard
Ludwig Richard: Führt den über 1000 Personen und knapp 1000 Busse zählenden Familienbetrieb.Quelle: ZVG

Das grösste private Busunternehmen Österreichs drängt in die Schweiz. Das Unternehmen Dr. Richard will vier Buslinien betreiben.

Von Ulrich Rotzinger («Blick»)
am 23.10.2018

Frischer Wind für den noch jungen Schweizer Fernbus-Markt: Dr. Richard, der grösste private Busunternehmer Österreichs, will in der Schweiz Personen befördern. Die Österreicher planen gemäss Recherchen von «Blick» in einem ersten Schritt vier Verbindungen. Die Strecken im Detail: Zürich Flughafen – ZürichBern, ZürichBaselBern, ZürichLuzernBern sowie Zürich Flughafen – ZürichSargansLandquart – Chur – Domat/Ems GR.

Das Bundesamt für Verkehr BAV bestätigt auf Nachfrage ein Gesuch des Schweizer Unternehmens Albus Zürich GmbH, das zur Dr. Richard Gruppe gehört. Das Gesuch für die Konzession beinhalte mehrere Fernbuslinien innerhalb der Schweiz, so BAV-Sprecher Gregor Saladin. Zu den Strecken will sich das Amt nicht äussern. Ebenso wenig dazu, wann mit grünem Licht zu rechnen ist.

Lenker des Fernbus-Angriffs in der Schweiz bekannt

Interessant: Für den Markteintritt verantwortlich ist Patrick Angehrn. Der Leiter Linienbusverkehr Schweiz von Dr. Richard ist in der Schweizer Fernbusszene kein Unbekannter. Auch die Leute beim BAV kennen ihn gut. Angehrn war der erste in der Schweiz, der ein nationales Fernbusnetz ausrollen wollte. Vor ein paar Jahren reichte er für seinen damaligen Arbeitgeber Domo aus Glattbrugg ZH Gesuche für Verbindungen in der Schweiz beim BAV ein.

Dann übernahmen die Manager des Aargauer Unternehmens Eurobus die bewilligten Gesuche und betreiben seit 10. Juni erste nationale Fernbus-Linien in der Schweiz. Dies in Kooperation mit dem deutschen Fernbusriesen Flixbus. Eurobus hat ebenfalls Gesuche für weitere Verbindungen beim BAV beantragt. Laut dem Amt sind diese immer noch hängig.

Österreicher wollen deutlich billiger sein als SBB

Angehrn, der jetzt im Sold der Österreicher steht, bestätigt gegenüber «Blick» den Markteintritt in die Schweiz und die Pläne für ein nationales Fernbusnetz. Bei den Preisen und Modalitäten scheint er sich an seinen alten Arbeitgebern zu orientieren: «Die Preise werden je nach Strecke bis zu 50 Prozent günstiger sein als die der Bahn, wobei auf Dumping- oder Lockvogel-Angebote sowie Reservationsgebühren verzichtet werden soll», schreibt er in einer Mailantwort.

Die eingereichten Verbindungen seien als «sinnvolle Ergänzung» zum bestehenden öffentlichen Fern-Verkehrsangebot auf Schiene und Strasse geplant. «Wir wollen das öV-System in der Schweiz noch besser machen», so Angehrn. Halbtax und Generalabo sollen akzeptiert werden. Als Fahrzeuge seien acht Langstrecken-Doppelstock-Luxusbusse geplant. Laut dem Unternehmen sollen mehr als 40 Mitarbeiter in Zürich, Bern und Chur eingestellt werden.

Seit 10 Jahren ein Schweizer Büro

Laut Website der Dr. Richard Gruppe setzten die Österreicher insgesamt 950 Busse im öV und Reisebusverkehr ein. Das Unternehmen zählt 1355 Vollzeitmitarbeiter.

Seit über zehn Jahren ist die Albus GmbH im Handelsregister in der Schweiz eingetragen. Mit Dr. Richard wird diese nun erstmals der Öffentlichkeit bekannt.

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