Die Wirtschaftsflaute und die steigende Zahl von Unternehmensschieflagen machen der Raiffeisen Bank International zu schaffen. Der zweitgrösste Kreditgeber in Osteuropa musste in der Nacht heute seine Prognose für Rückstellungen für faule Kredite anheben: Statt einer Stagnation auf dem Vorjahresniveau von gut einer Milliarde erwartet die Bank nun Rückstellungen von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro. An der Börse kam das nicht gut an: «Nach unserer Einschätzung ist das eine Gewinnwarnung», schrieb Berenberg-Analystin Eleni Papoula. Einige Aktionäre sehen das wohl ähnlich: Die Raiffeisen-Aktie verlor bis zu 7,3 Prozent und notierte am Nachmittag noch 3,4 Prozent tiefer bei 24,7 Euro.

Bereits in den vergangenen Jahren haben die steigenden oder fallenden Rückstellungen für faule Kredite massgeblich über die Gewinne vieler Banken in Osteuropa bestimmt. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten geraten viele Unternehmen in Turbulenzen und können ihre Bankschulden nicht mehr zurückzahlen. Die Geldhäuser müssen dafür Geld zurücklegen - was wiederum ihre Gewinne schmälert. «Es sind diverse Fälle von Kunden, die wegen der langen Rezession in der Eurozone unter Druck kommen - unter anderem in Albanien, Bulgarien und Slowenien», sage ein RBI-Sprecher.

Mehrere Problemfelder bei RBI

Die Unicredit -Tochter Bank Austria als grössere Konkurrentin schlägt deutlich optimistischere Töne an. Die Qualität der Unicredit-Kredite sei gut und das Institut sei von den Turbulenzen etwa in Slowenien nicht betroffen. Auch ein von der ungarischen Regierung geplanter Tausch von Fremdwährungskrediten in die Landeswährung Forint treffe die Unicredit weniger als andere Banken, zeigte sich Osteuropa-Chef Gianni Franco Papa zuversichtlich.

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Für die RBI ist das steigende Volumen fauler Kredite nicht das einzige Problemfeld: Das Institut hält sich seit Jahren die Tür für eine Kapitalerhöhung offen, um die in der Krise erhaltenen milliardenschweren Staatshilfen zurückzuzahlen. Bislang wagte sich die Bank wegen des niedrigen Aktienkurses jedoch nicht aus der Deckung. Auch der neue, seit Juni amtierende Bankchef Karl Sevelda liess sich dabei noch nicht in die Karten schauen. 

(reuters/jev/rcv)