Der Werbevermarkter Goldbach Media ist zuversichtlich für die Zukunft. «In drei Jahren wird Goldbach Media mit Sicherheit einer der attraktivsten Medientitel in Europa sein», sagt CEO Klaus Kappeler gegenüber der «Handelszeitung». Vor allem in Osteuropa sieht er viel Potenzial - obwohl manche Märkte, nahezu zum Erliegen gekommen sind und die dort aktiven Medienhäuser unter massiven Überkapazitäten leiden. Die Resultate zum Geschäftsjahr 2009 wird Goldbach am 4. März vorlegen.

Goldbach ist bereits vor einigen Jahren nach Osteuropa aufgebrochen. Verdienen Sie dort Geld?

Klaus Kappeler: Ja, obwohl es sehr hart war. Und 2009 haben uns noch die Währungen ein Schnippchen geschlagen. Beispiel Polen: Wir sind umsatzmässig zwar 20% gewachsen, doch die Währung sank in der gleichen Zeit um 25% - also mussten wir in Schweizer Franken ein Minus von 5% gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Belastet hat uns auch der zum Euro sehr starke Franken. Doch trotz allem sind wir in Osteuropa im operativen Online-Geschäft profitabel.

In gewissen Märkten Osteuropas, etwa Rumänien, sind Medienunternehmen zu schnell gewachsen und leiden nun unter Überkapazitäten. Wie schlägt sich Goldbach?

Kappeler: Die Märkte sind tatsächlich zum Teil sehr stark geschrumpft. Darum ist es unerlässlich, mit neuen Angeboten die Kunden zu überzeugen. In Polen und Tschechien ist es uns gelungen, Verträge mit Facebook abzuschliessen. Das hat uns in Tschechien auf Reichweiten-Platz zwei der grössten nationalen Anbieter katapultiert. Auch in anderen osteuropäischen Märkten haben wird uns durch frühes Engagement hohe Marktanteile erarbeitet.

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Goldbach stellt mehr und mehr Personal im Ausland an. Wie wird sich das Verhältnis Schweiz -Ausland entwickeln?

Kappeler: Insgesamt hat Goldbach gut 400 Mitarbeiter, davon 50% in der Schweiz. Unser Personalwachstum im Ausland wird aufgrund unserer Expansionsstrategie schneller sein als in der Schweiz. Der Ausbau im Ausland bedeutet aber keinen Stellenabbau hierzulande, im Gegenteil.

Im Online-Geschäft ist die Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern noch nicht so weit entwickelt. Wie sehen Sie die Zukunft?

Kappeler: Ich bin froh, dass der Online-Werbeanteil in der Schweiz erst bei 4% liegt. Ein Blick ins Ausland, etwa nach England, zeigt, was hierzulande noch möglich ist. Dort hat der Anteil der Online-Werbung im vergangenen Jahr erstmals den TV-Anteil überholt und liegt nun, je nach Statistik, bei 30 bis 37%. Ich erwarte, dass die Online-Werbung in der Schweiz in einigen Jahren im zweistelligen Prozentbereich liegen wird.

Was heisst das für die Zeitungsverleger?

Kappeler: Das Stichwort lautet Tablets. Das sind mobile Datenträger mit Internetzugang - vom visuellen Auftritt her ähnlich wie das elektronische Buch, nur viel flacher. Ich erwarte, dass die Tablets einen ähnlichen Durchbruch haben werden wie das iPhone. Das Potenzial für die Verleger ist enorm - egal ob Zeitungsinhalte oder Bewegtbild. Ich hoffe, dass die Schweizer Verleger diesen Technologieschritt mitmachen und ihre Produkte auch für Tablets anbieten.

Die Verleger machen nur mit, wenn sie für ihre journalistischen Inhalte endlich Geld bekommen.

Kappeler: Eine schwierige Frage, schliesslich wurde der Konsument dazu erzogen, dass alles gratis ist. Nun soll er doch bezahlen. Ich denke, es wird Dienstleistungen geben, für welche die Verleger Geld verlangen können.

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