Formel-1-Fan Oswald Grübel fühlt sich wohl, wieder am Steuer zu sitzen. In den ersten Tagen als Konzernchef der in Schieflage geratenen UBS hat er deutlich gemacht, dass er bei der UBS vom ersten Tag an kräftig aufs Gaspedal drücken wird.

Ganz oben auf der Traktandenliste des als Turnaround-Managers der Credit Suisse bekannt gewordenen Grübel stehen die offenen Punkte im US-Steuerfall. «Die habe ich, seit ich hier bin, auch schon behandelt», sagte Grübel in einem Zeitungsinterview. Und am US-Senatshearing zum Thema Steueroasen will er klarstellen, dass «wir in der Schweiz auch Gesetze haben, die wir nicht brechen können.» Der gebürtige Ostdeutsche gilt als Macher, der Entscheidungen rasch fällt und eine Strategie richtig umsetzen kann. In den nächsten Wochen wird er sich ein Bild von der Bank machen. Mit seinen ersten öffentlichen Aussagen als neuer UBS-Konzernchef hat er aber bereits signalisiert, was er als machbar ansieht. So will er das Ziel, in diesem Jahr den Weg zurück in die Gewinnzone zu finden, nicht als Prognose verstanden wissen. Es werde aber einige Zeit dauern, bis die UBS wieder nachhaltig profitabel sei: «Wenn es nur Faktoren gäbe, die ich selber bestimmen könnte, würde ich sagen, zwei bis drei Jahre. Aber es gibt den Markt, den ich nicht bestimmen kann.»

Die Märkte haben geholfen

Als Grübel 2002 zum ersten Mal aus dem Ruhestand zurückkehrte, wurde er bei der Sanierung der Credit Suisse von der Aufwärtsbewegung an den Märkten und der konjunkturellen Erholung unterstützt. Heute sind die Verwerfungen an den Finanzmärkten ungleich grösser, und es ist ungewiss, wann es wieder aufwärts geht.

Anzeige

Jetzt wird erwartet, dass Grübel wie seinerzeit bei der Credit Suisse die Bank mit einem eisernen Kostensparprogramm aus der Krise führt. Bei der Kostenbasis von rund 30 Mrd Fr. sieht er denn auch weiteren Spielraum für Einsparungen.Doch die Aufgabe ist dieses Mal schwieriger. «Bei der Credit Suisse war das Problem eingeschränkt, die UBS kämpft an allen Fronten», sagt Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Grübel, der fast 40 Jahre für die Credit Suisse gearbeitet hat, sieht sich unter anderem mit sinkenden Kundenvermögen, einer angeschlagenen Reputation, sinkender Moral der Mitarbeiter sowie diversen Rechtstreitigkeiten konfrontiert (siehe separaten Text). Zudem hat sich das Umfeld für die Banken mit der Verschärfung der Finanzkrise in den letzten Monaten stark verändert. Besonders Institute wie die UBS, die Staatshilfe beansprucht haben, stehen unter dem Einfluss von Politik und Öffentlichkeit. Mit seinen markigen Sprüchen zum Bankwissen der Politiker oder zur Boni-Diskussion könnte sich der UBS-Chef Kredit verspielen. Erste Kritik an Grübel kam bereits von der SP.

Grübel, der bei der Credit Suisse das integrierte Bankmodell eingeführt hatte, spricht sich nach wie vor für die One-Bank-Strategi» aus: «Das Kerngeschäft ist das Wealth Management. Hier kann man nicht führend sein in der Welt, ohne Investment-Banking- und Asset-Management-Fachwissen.» Im Investment-Banking gebe es zum Beispiel Geschäfte, die für das Private Banking wichtig sind. «Im Handel wurden idiotisch hohe Positionen genommen, es gibt aber auch Beratungsgeschäfte und Kommissionsgeschäfte, die in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen werden.»

UBS besser als Credit Suisse

Auch im Private Banking werden die Margen massiv sinken, die Schulden weiter abgebaut und der Druck auf das Bankgeheimnis hält an. Zudem müssen sich die Banken von den strukturierten Produkten verabschieden, die das Geschäft geprägt haben.

Im Geschäft mit institutionellen Kunden bekunden beide Grossbanken Mühe. Das Asset Management der UBS werfe wenigstens einen Gewinn ab. «Es ist sehr profitabel im Vergleich zu dem, was die Credit Suisse macht.» Ob er einzelne Einheiten verkaufen will, kann Grübel heute noch nicht sagen. Für strategische Weichenstellungen ist es zu früh. Seine Prioritäten sind aber klar. Es gilt, das Vertrauen der Kunden, der Medien und der Schweizer wiederherzustellen.

 

 


Rechtliche Risiken: Vom US-Steuerfall bis hin zur Madoff-Affäre

Der Steuerfall in den USA schwebt noch immer wie ein Damoklesschwert über der UBS. Vom Vergleich, welcher der Grossbank unter bestimmten Auflagen voraussichtlich für 18 Monate Aufschub gewährt, ist eine zivilrechtliche Klage ausgenommen. «Die zivilrechtliche Klage ist ein grösserer Testfall für die UBS», sagt Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Die US-Steuerbehörden wollen gerichtlich die Herausgabe von 52000 Kundendaten erzwingen. Dabei geht es um Schweizer Konten, die UBS-Kunden nicht offengelegt haben. Die UBS wehrt sich vehement dagegen, wobei ihr Chancen eingeräumt werden. Doch die Unsicherheit, dass die Richter am Ende doch gegen die UBS entscheiden, lastet auf der Grossbank. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf hat ihren US-amerikanischen Amtskollegen bei einem Besuch auch bereits darauf hingewiesen, dass die Forderung nach Herausgabe der 52000 Daten in der Schweiz auf Unverständnis stösst und nicht dem normalen Rechtsweg entspricht. Die Verhandlungen zwischen den beiden Justizministerien sollen fortgesetzt werden. Zuweilen wird auch befürchtet, dass die USA den strafrechtlichen Vergleich aufheben könnten, wenn in der zivilrechtlichen Klage keine Einigung erzielt wird. Damit würde die UBS wieder auf Feld eins zurückgeworfen.

Es gibt noch weitere juristische Probleme. Im Quartalsbericht weist die UBS auf verschiedene Rechtsfälle hin, die bedeutend werden könnten. Neben dem Steuerfall in den USA ist der ganze Komplex rund um die Auction-Rate-Securities (ARS) aufgeführt. ARS sind spezielle Finanzierungsinstrumente, für welche der Markt im Zuge der Finanzkrise zum Erliegen gekommen ist.

Zudem sieht sich die Bank mit weiteren Subprime-Klagen konfrontiert. Nicht zuletzt ist auch die Madoff-Affäre potenziell bedeutend. Untersuchungen verschiedener Aufsichtsbehörden sind im Gang und geprellte Kunden klagen gegen die Bank. Laut Medienberichten hat Oswald Grübel bei der Credit Suisse schon früh vor Madoff gewarnt, einige Kunden hätten dies aber nicht eingesehen.(ng)