Die explosionsartige Vermehrung der Investmentprodukte, ein ständiger Anstieg der aufsichtsrechtlichen Verpflichtungen sowie anspruchsvollere Geschäftsanforderungen komplizieren derzeit die Aktivitäten der institutionellen Anleger. Die drei Hauptaufgaben bei der treuhänderischen Betreuung des Kundenvermögens decken sich übergreifend betrachtet grösstenteils mit der Investment- Management-Wertschöpfungskette. Die erste und wichtigste Funktion besteht in der Aufsichts- und Überwachungspflicht, ein inhärenter Grundsatz eines jeden institutionellen Anlegers, der keine Delegation resp. Auslagerung der Funktion zulässt. Die beiden anderen Funktionen, die Anlagetätigkeit und die darunter liegenden Abwicklungsfunktionen, eignen sich dagegen sehr gut für Make-or-Buy-Analysen.

Früher wurde kaum hinterfragt

Für traditionelles Outsourcing eignen sich insbesondere sämtliche weniger kritischen Nicht-Kernprozesse eines Unternehmens. Diese Beschreibung trifft zwar vor allem auf den operativen Bereich zu, die Tragweite sollte aber im Einzelnen bei jeder Auslagerung genau geprüft und hinterfragt werden. Erstaunlicherweise wurde in der Vergangenheit diese Hinterfragung häufig nicht durchgeführt. Zurzeit sind erste Schritte in diese Richtung auf dem Schweizer Markt zu beobachten. Insgesamt hinkt die Schweiz jedoch den entwickelten europäischen Märkten (UK und Luxemburg) sowie dem amerikanischen Markt hinterher. Es ist aber zu erwarten, dass sich auch hierzulande die Auslagerungstendenzen weiter verstärken, da der Druck auf die Schweizer institutionellen Anleger steigt, sich vermehrt auf wertschöpfende Aktivitäten zu konzentrieren und Kosteneffizienz und Flexibilität zu optimieren. Angesichts dieser Lage und der wachsenden Zahl spezialisierter Anbieter in diesem Bereich haben auch die Schweizer Investoren begonnen, alternative Sourcing Optionen in Betracht zu ziehen.

Investment Management wird reif

Es stellt sich auch die Frage nach einer natürlichen Begrenzung des Umfangs sowie der Tiefe des Aufbrechens. Klar scheint an dieser Stelle, dass sich die Bestrebungen zunehmend allumfassend sowohl auf Front- als auch Middle- und Backoffice-Funktionen erstrecken, und dass die Granularitätsstufe bei der Betrachtung der Frontoffice-Prozesse stetig steigt.

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Abschliessend ist festzuhalten, dass sich das Investment Management immer mehr zur reifen Branche entwickelt. Beweis dafür sind die stark spezialisierten Anbieter, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt haben. Die Provider bieten inzwischen eine interessante Alternative zur Eigenfertigung – und der Markt scheint auch bereit für dieses neue Geschäftsmodell.