Ein ERP-System zu kaufen, es zu installieren und zu betreiben ist nicht wirklich etwas, wofür sich die Herzen der Informatikleiter erwärmen liessen. Es gibt genügend Horrorgeschichten von Firmen, die mit der Wahl des ERP-Anbieters und des Systemintegrators derart daneben gegriffen haben, dass die Firma fast in den Konkurs getrieben wurde. Es gibt auch genügend Geschichten über allerlei Abzockereien ­ teure Berater, die irgendwelche Anpassungen am System vornahmen, die der Kunde gar nicht brauchte.

Nach dem grossen ERP-Hype der vergangenen Jahre werden heute solche Geschichten weniger häufig erzählt. Mittlerweile haben fast alle grösseren Firmen, aber auch KMU und Behörden eine Standardbetriebssoftware im Einsatz und haben ihre Erfahrungen gemacht. So schnell lassen sie sich nicht mehr über den Tisch ziehen. Die sich nur langsam erholende Wirtschaft, der Glaube, sich auf die Konzernkompetenzen konzentrieren zu müssen, und die Ungläubigkeit gegenüber den Weissagungen der IT-Gurus haben ein Klima geschaffen, das Outsourcing-freundlich ist.

SAP SI ist ein kleineres, vor allem in Deutschland und der Schweiz aktives Dienstleistungsunternehmen, das sich auf Implementierungen von SAP-Betriebssoftware spezialisiert hat. Im ersten Geschäftsquartal des laufenden Jahres erzielte das Anfang Jahr vollständig vom SAP-Konzern übernommene Unternehmen einen Umsatz von 75,9 Mio Euro, wobei der Bereich Hosting/ Application Management überdurchschnittlich stark um 29,7% auf 10 Mio Euro zulegte. Damit liegt das Wachstum dieser Sparte deutlich über dem Konzernzuwachs, der in der gleichen Periode 17,1% betrug. Das Managed-Services-Geschäft ist sehr einträglich: Bei SAP SI steuert es bereits einen Drittel zum Konzerngewinn bei.

Die SAP-Tochter ist nicht die einzige Firma, die mit Hosting-Angeboten im ERP-Umfeld ein neues Geschäftsfeld erschlossen hat. Aktiv in diesem Segment sind auch die grossen IT-Outsourcing-Firmen wie IBM, Accenture, HP, EDS, CSC oder Capgemini. Für Letztere etwa, die Produktkompetenz im Bereich SAP und Peoplesoft aufweist, ist es weniger eine Frage, ob «ERP ausgelagert werden soll, sondern wann», wie es in einer Studie des Unternehmens heisst.

Den Hauptgrund dafür sieht die Capgemini bei den in die Jahre gekommenen Applikationen, die in den meisten Betrieben im Einsatz stehen. Das sind Anwendungsversionen, die während des grossen ERP-Hypes Mitte bis Ende der 90er Jahre unter viel Blutvergiessen in den Firmen eingebaut wurden. Diese Versionen werden je länger je weniger von ERP-Lieferanten unterstützt, so dass die Firmen gezwungen werden, auf einen neuen Release zu wechseln oder das Produkt eines anderen Herstellers einzubauen.

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«Viele Unternehmen haben leider veraltete ERP-Versionen im Einsatz», sagt Brian Zrimsek, Marktanalytiker bei Gartner. Gemäss einer von ihm mitverfassten ERP-Studie arbeiten 50% bis 75% aller Firmen in den USA mit älteren Versionen als der aktuellen ihres Anbieters. «Für diese Firmen wird es nach 2005 immer brenzliger, noch genügend Support von ihren Lieferanten zu erhalten.» Laut Gartner arbeiten noch 52% mit älteren R/3-Versionen als Release 4.6. Sie müssen also, wenn sie es noch nicht getan haben, auf Version 4.6C oder auf R/3 Enterprise wechseln.

Laut SAP-Marketing-Chef von SAP Schweiz, Hansruedi Kuster, werden die Versionen älter als 4.6C noch bis zum Jahr 2009 unterstützt. Noch aber arbeiten 41% der rund 1000 SAP-Kunden in der Schweiz mit Versionen, die älter sind als 4.6C ­ eine «beträchtliche Zahl», so Kuster. Ein Wechsel ist in jedem Fall mit erheblichen Kosten verbunden. Laut einer Untersuchung von AMR Research verschlingt ein ERP-Upgrade im Schnitt 1,5 Mio Dollar und ist nicht selten teurer als die ursprünglichen Projektkosten. Deshalb erstaunt es nicht, dass bei nur gerade 13% der 150 untersuchten Unternehmen der Umstieg sich auch gerechnet hat. Bei allen anderen waren die Kosten höher als die Einsparungen. Das muss all jenen IT-Chefs zu denken geben, die solche Berechnungen überhaupt nicht anstellen oder dazu nicht in der Lage sind. Der Auftrag des obersten Managements an die IT aber lautet häufig: Runter mit den Betriebskosten, Wettbewerbsposition verbessern und messbare Produktivitätsgewinne. Stattdessen verliert sich die IT-Abteilung in einem Dschungel von immer komplexeren Applikations- und Datenkonstrukten, die in Schuss zu halten sehr viel Geld verschlingt.

Kurzfristig kaum Effekte

Ein IDC-Report bringt die Situation nüchtern auf den Punkt: «Viele Firmen wissen nicht, wie viel ihr ERP-System im Unterhalt kostet. Wenn nun die Budgets knapper werden, schauen sie sich nach Dienstleistern um, die ihnen die Bürde des internen Applikationsmanagements abnehmen.»

«Outsourcing kann die Gesamtkosten einer ERP-Umgebung um 10% bis 30% senken», sagt Ben Franklin von Capgemini. Um kurzfristig sparen zu können, bringt eine Auslagerung jedoch wenig. Der Gartner-Analytiker Robert Anderson bricht die Kosten auf den einzelnen Arbeitsplatz herunter. Demnach soll die Gebühr für den Bezug einer ERP-Applikation über eine sichere Internet-Verbindung pro Arbeitsplatz zwischen 300 und 1000 Dollar betragen.

Neben dem Upgrade-Druck, dem die Anwender mit alten ERP-Versionen ausgesetzt sind, gibt es auch einen langfristigen Trend, der ein Outsourcing begünstigt: ERP-Software ist längst ein Standard geworden. Es ist kaum mehr möglich, sich über das gewählte ERP-System zu differenzieren und Wettbewerbsvorteile herauszuholen. Die fortschreitende Konsolidierung des ERP-Marktes führt dazu, dass immer mehr Firmen mit den exakt gleichen Produkten ihre Unternehmensprozesse steuern. Was liegt also näher, als die Betriebssoftware als gesamten Block einem Outsourcing-Partner auszulagern?

ERP-Outsourcing-Dienstleister und ihre Services in der Schweiz

Name ERP-Anbieter Branchenschwerpunkt RZ Beschäftigte*

Accenture Peoplesoft, Penta Banken, Versicherungen, Handel, 2 80

Olympic Telco, Sport, Non-Profit

Hewlett-Packard SAP Pharma, Chemie, Retail, Banken, 3 300

Versicherungen, Behörden,

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öffentlicher Verkehr

IBM Global Services SAP sowie Logistik 3 k.A.

«alle handelsüblichen» Finanz

Versicherung

Handel

Swisscom IT Services SAP, Peoplesoft Telco, Financial Services 2 k.A.

Gesundheitswesen,

öffentliche Hand

*nur im Bereich Managed Services
Quelle: Firmenangaben