Die Genfer Privatbank-Gruppe Pictet will in den kommenden fünf Jahren rund 100 Arbeitsplätze nach Luxemburg, Hongkong und Singapur verlagern. Von den Anpassungen betroffen seien Back-Office- und Middle-Office-Aktivitäten, wie die Westschweizer Wirtschaftszeitung «L'Agéfi» in der aktuellen Ausgabe schreibt. Eine Sprecherin der Bank bestätigt die Angaben gegenüber handelszeitung.ch.

Pictet-Teilhaber Jacques de Saussure hat die Massnahmen am vergangenen Donnerstag den Mitarbeitenden mitgeteilt. Mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen will die Bank die operativen Tätigkeiten in den aufstrebenden Märkten stärken und auch näher am Kunden sein, so die Begründung.

Keine Kündigungen

Die Verlagerung ist die erste ihrer Art in der 210-jährigen Geschichte der Bank. Pictet & Cie beschäftigt insgesamt rund 3900 Personen, davon 2200 in Genf.

Im Zuge des Umbaus soll es zu keinen Kündigungen kommen. Die von der Verlagerung betroffenen Mitarbeiter würden auch nicht vor die Wahl gestellt, entweder in die Ferne zu reisen oder den Job aufzugeben. Die Betroffenen hätten die Möglichkeit, intern die Stelle zu wechseln, wie eine Banksprecherin bestätigt.

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Kein Einzelfall

Auch wenn die Massnahme einzigartig ist in der Historie von Pictet, ungewöhnlich ist sie nicht. Derzeit schichten fast alle helvetischen Bank- und Versicherungsinstitute um. UBS, Credit Suisse, Zurich – alle greifen zum Rotstift und machen sich schlank.

Richtiggehend radikal rasiert die UBS ihr Schweizer Geschäft. In den nächsten drei bis fünf Jahren dürften bis zu 3000 Jobs aus der Schweiz ins Ausland verlagert werden, berichtete die «Handelszeitung» Anfang Februar unter Berufung auf einen UBS-Spitzenmanager. Andere UBS-Quellen relativieren den Outsourcing-Umfang, «nur» etwa 500 Jobs stünden auf dem Prüfstand.

Schweizer Lohnkosten problematisch

Vor allem Polen, Indien und China gelten als beliebte Offshoring-Standorte – auch in dieser Hinsicht ist Pictets Massnahme in keinster Weise einzigartig. Im Verlagerungsfokus stehen jeweils Dienste wie Informatik, Buchhaltung, Human Resources oder Finanzcontrolling.

Das Problem sind die Lohnkosten. Mitarbeiter in einer international aufgestellten Bank oder Versicherung erbringen vielfach Leistungen für die ganze Gruppe. Insofern ist das Produkt der Arbeit eine Art Export von Dienstleistung. Dieser Export ist aber teuer, denn die Lohnkosten in der Schweiz sind vergleichsweise hoch.

Privatbank zuletzt mit weniger Gewinn

Pictet kommunizierte jüngst einen Rückgang beim Gewinn. Im Geschäftsjahr 2015 verringerte sich der Konzernertrag um 2 Prozent auf 452 Millionen Franken, während sich der Betriebsertrag um 3 Prozent auf 2,124 Milliarden Franken erhöhte.

Die gesamten verwalteten oder verwahrten Vermögenswerte beliefen sich per Ende 2015 auf 437 Milliarden Franken – zwei Milliarden mehr als Anfang 2015. Für das gesamte Jahr beliefen sich die Netto-Neugelder auf 15 Milliarden Franken.

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