Stefano Beraldo, Chef des Italienischen Modekonzerns OVS, glaubte im Ernst, er würde innert Monaten einen Turnaround beim serbelnden Retailer Charles Vögele hinkriegen. Und dann, verkündete er im Interview mit der «Handelszeitung», würden ihm die Leute in der Schweiz auf die Schultern klopfen: «Hey, Stefano, ein wunderbares Konzept».

Der Plan Beraldos ging nicht auf. Er firmierte zwar die Vögele-Filialen auf das Label OVS um, doch die Kunden blieben trotz italienischer Mode aus. Das kommen nun die Mitarbeitenden zu spüren: Heute erhielten jene 1150 Arbeitnehmer, die noch bei der Charles-Vögele-Nachfolgerin OVS arbeiten, ihre Kündigung per Ende Juni. Eine einvernehmliche Lösung mit den Gewerkschaften hat die OVS-Konzernleitung in Venedig zuvor abgelehnt.

Tiefpunkt für Konzernchef Stefano Beraldo

Für Konzernchef Beraldo ist das Ende des Schweiz-Abenteuers der Tiefpunkt seiner bislang steilen Karriere: Mit seinem Engagement bei Vögele hat er gemäss « Handelszeitung»-Berechnung über 90 Millionen Euro versenkt.

Dieser Verlust lässt sich ziemlich exakt aus dem Jahresbericht 2017 und aus dem 1. Quartalsbericht 2018 der Muttergesellschaft OVS herauslesen. Insgesamt gingen 34,6 Millionen durch Wertverminderung und Amortisation drauf. Weitere 53,4 Millionen Euro verschlangen Schuldendienste und Abschreibungen aufs übervolle Warenlager. Dazu kommt der Kauf der Vögele-Aktien, die mit gut 5 Millionen Euro zu Buche schlagen. Macht total über 90 Millionen Euro.

In dieser Gesamtsumme sind auch 3 Millionen Euro für Rechtsrisiken einkalkuliert. Juristische Auseinandersetzungen zeichnen sich mit der OVS-Schweiz-Pleite tatsächlich ab. Denn einer der Partner von OVS, der sich ebenfalls am Charles-Vögele-Nachfolger beteiligte – die Investmentgesellschaft Elarof Trust, das Family Office der Sandoz-Erben –, kündigte kürzlich rechtliche Schritte gegen OVS an.

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