Endlich ist es soweit: Ab April werden im neu eröffneten Dolder Grand Hotel am Zürichberg die ersten Gäste ein- und ausgehen. Satte 440 Mio Fr. hat sich Financier Urs E. Schwarzenbach den teuersten Umbau in der Schweizer Hotelgeschichte kosten lassen. Sein finanzielles Engagement versteht der Milliardär nicht als Liebhaberei, sondern als wohl überlegte Anlage. Rechnen soll sich das enorme Investment einerseits durch den massiv erhöhten Immobilienwert, anderseits durch den Hotelbetrieb, der spätestens in zwei bis drei Jahren schwarze Zahlen schreiben soll.

2007 war ein Rekordjahr

Voraussetzung dafür sind volle Betten. Schwarzenbach und das Hotel-Management vertrauen auf eine weltweite Klientel, die bereit ist, für den im neuen Flaggschiff der Zürcher Hotellerie gebotenen Luxus einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn die Schweizer Luxushotellerie befindet sich in einer ausgesprochenen Boom-Phase, wie die aktuellen Resultate der in der Gruppierung Swiss Deluxe Hotels (SDH) zusammengefassten 36 besten Luxushotels der Schweiz belegen. Die effektiven Zahlen für die mit Ostern endende Wintersaison sind zwar noch nicht offiziell. «Der Rekordwinter aus dem Vorjahr wurde aber mindestens egalisiert», sagt SDH-Sprecher Fiorenzo Fässler. Für die Sommersaison 2008 sind die Voraussetzungen für neue Rekordzahlen ebenfalls günstig. Der hohe Euro-Kurs macht Schweizer Luxushotels für gut betuchte Gäste aus dem wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland und weiteren europäischen Ländern zurzeit besonders attraktiv. Auch die Zahl der Schweizer Kundschaft hat in den Edelherbergen zuletzt stetig zugenommen.

Die guten Buchungsstände bekräftigen die Luxushotels in ihren Bestrebungen, ihr Angebot laufend zu verbessern. Bei einem Gesamtumsatz von rund 1 Mrd Fr. haben die 36 SDH zwischen 2005 und 2007 die gleiche Summe für Erneuerungsbauten und Renovationen investiert und damit das übliche Jahresmittel von 200 Mio Fr. deutlich übertroffen. Neben der Renovation im Dolder Grand wurde etwa vor wenigen Monaten nach einem 75 Mio Fr. teuren Umbau auch das Hotel Carlton in St. Moritz (Tschuggen-Gruppe) wieder eröffnet, um zwei von zahlreichen Grossprojekten zu nennen. Der Investitionsboom in der Luxushotellerie dauert heuer ungebremst an. Fiorenzo Fässler kündigt an, dass die SDH auch 2008 deutlich über 200 Mio Fr. in Erneuerungsprojekte stecken.

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Ein Beispiel sind die Grand Hotels Bad Ragaz. Neben einer Komplett-Renovation der Thermalbäder Tamina Therme wird bis zum Frühling 2009 das Hotel Hof Ragaz durch bauliche Massnahmen vom Vier- zum Fünfsternhotel aufpoliert sowie ein zusätzliches Gebäude mit 57 Luxussuiten errichtet. Kostenpunkt: 150 Mio Fr. In Davos will die internationale Kette Intercontinental bis 2009 für 120 Mio ein Luxushotel mit über 200 Zimmern und Edel-Suiten errichten. Bereits für Ende dieses Jahres ist in Villars-sur-Ollon VD die Eröffnung des Chalet Royalp Hotel und Spa mit 63 Luxussuiten anberaumt.

Dass sich millionenschwere Umbauten meistens sehr positiv auf die Nachfrage auswirken, zeigt die Tschuggen Hotel Group mit ihren vier Luxushotels in Arosa, Ascona und St. Moritz. Dank den jüngsten Investitionen von insgesamt 135 Mio Fr. in die Hotels Tschuggen Arosa und Carlton St. Moritz habe in beiden Häusern ein noch stärkerer Gästeandrang eingesetzt, sagt die Gruppendirektorin Corinne Denzler. «Wir haben uns deshalb entschieden, beide Hotels ab Juni 2008 durchgehend bis April 2009 geöffnet zu lassen.»

Neben längeren Öffnungszeiten setzen Luxushoteliers im Zuge von Renovationen oft auch höhere Preise durch. In Bad Ragaz geht die Rechnung auf. Für das laufende Jahr wurden die Zimmertarife trotz der permanenten Baustelle um rund 5% erhöht. «Die Jahresauslastung wird gemäss aktuellem Buchungsstand trotzdem auf rund 82% konstant bleiben und uns entsprechend höhere Umsätze bringen», sagt der General Manager Riet Pfister. Wenn die Arbeiten in einem Jahr abgeschlossen sein werden, dürfte eine weitere Preiserhöhung folgen.

USA sind Unsicherheitsfaktor

Ganz sorgenfrei blickt die zuletzt verwöhnte Schweizer Luxushotellerie der Zukunft indes nicht entgegen. Die wiederkehrenden Rezessionszeichen aus den USA, gepaart mit dem rekordtiefen Dollarkurs, haben im Vorjahr zu einem Rückgang der amerikanischen Logiernächte geführt. Mit einem Anteil von immerhin 10% sind sie nach den Schweizern, Deutschen und Briten die viertbedeutendste Gästegruppe der 36 SDH-Hotels. Fiorenzo Fässler geht für 2008 nicht von einer Verbesserung aus. «In Wahljahren reisen die Amerikaner aus Tradition eher weniger.»

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«Qualität bringt Quantität»

Noch wird dieser Negativeffekt durch den starken Euro und hohe Wachstumsraten aus den Nachbarländern mehr als wettgemacht. Echte Gefahr droht erst, wenn die Stimmung in den USA auf den alten Kontinent übergreift, was traditionsgemäss früher oder später auch geschieht. Die Schweizer Luxushotellerie lässt sich dadurch nicht von ihrem Motto «Qualität bringt Quantität» abbringen.

Ein Fünfsternhotelier bringt es stellvertretend für viele Kollegen auf den Punkt: «Wenn schon weniger Amerikaner anreisen, will ich diese erst recht mit einem noch besseren und moderneren Produkt für meinen Betrieb gewinnen.»