«Vor Ende 2008 ist nicht mit einem Abschluss zu rechnen», sagt Patrik Ducrey von der Wettbewerbskomission (Weko). Die international koordinierte Wettbewerbsuntersuchung wegen Verdachts auf Absprachen über Zuschläge in der Logistikbranche, welche am 10. Oktober 2007 bekannt wurde, startete in der Schweiz. «Anlass der Untersuchung ist eine sogenannte Bonusmeldung. Ein Unternehmen hat uns seine Beteiligung am Kartell angezeigt und dazu Beweismittel vorgelegt», erklärt Ducrey.

Finanzinvestoren kaufen Aktien

Die involvierten Unternehmen Panalpina, Kühne + Nagel, Deutsche Post und Deutsche Bahn/Schenker sowie der Branchenverband Spedlogswiss behaupten, dass nicht sie der Whistleblower gewesen seien. «Das Unternehmen, das die Bonusmeldung eingereicht hat, wird am Ende des Verfahrens, sofern es die weiteren Voraussetzungen erfüllt, straffrei ausgehen», führt Ducrey aus.

Während Panalpina-CEO Monika Ribar klar sagte, von den Weko-Durchsuchungen überrumpelt worden zu sein, will Konkurrentin Kühne + Nagel zur Whistleblowerfrage keine Stellung nehmen. Interessant ist, dass die Kühne-Aktien am Tag, als die Untersuchung bekannt wurde, ein 52-Wochen-Hoch von 131.40 Fr. erreicht hat.

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Weko reagierte hart

Die Panalpina-Aktie purzelt von ihrem Jahreshöchststand bereits seit dem 20. Juni 2007 (267 Fr.) ins Tal, beschleunigt durch den Nigeria-Korruptionsverdacht. Die Wettbewerbsuntersuchung brachte die Aktie weiter unter Druck und macht sie zu einer Beute für angelsächsische Hedge-Fonds und Private- Equity-Gesellschaften. So stieg fünf Tage nach Start der Kartelluntersuchung mit Viking Global (5,2%) ein neuer Grossinvestor ein – inzwischen halten die Neuen 18,4%. Laut Panalpina-Sprecher Martin Spohn handelt es sich um Finanzinvestoren, die keine speziellen Forderungen stellen. Zudem sieht er auch keinen Zusammenhang zwischen den Grossaktionären und der handvoll US-Anwaltsbüros, die Ende Januar gegen die Kartellverdächtigten eine Sammelklage einreichten.

Inzwischen werden Zweifel an der Grundlage der Untersuchung laut. So ist Panalpina Mitglied von Spedlogswiss, die hie und da Empfehlungen veröffentlicht. Diese werden laut Spohn transparent gemacht und seien absolut nicht bindend. «Möglicherweise betrachtet die Weko alleine die Tatsache einer Mitgliedschaft in einem solchen Verband als kritisch, was unserer Ansicht nach allerdings unverständlich ist.» Wie hart die Weko auf schriftliche Preisempfehlungen von Verbänden reagieren kann, ist seit den Warnungen an die Adresse des Cafetier- und des Fahrlehrerverbands bekannt.

Trotz drohenden Bussen und Millionenforderungen hat Panalpina bisher keine Rückstellungen gemacht.