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Kritik
Paris verzichtet auf den Sand von LafargeHolcim

Sandstrand an der Seine: Im Sommer einer der beliebten Orte in Paris. Keystone

Seit Jahren liefert LafargeHolcim gratis den Sand für den Pariser Strand an der Seine. Jetzt ist der Service des Schweizer Konzerns nicht mehr gefragt – aus politischen Gründen.

Von Marc Bürgi
am 31.03.2017

Im Juli und August verwandelt Paris das Ufer der Seine über mehrere Kilometer in einen Strand: «Paris-Plage» gehört im Sommer zu den beliebtesten Orten in der französischen Metropole. Bei schönem Wetter verbringen hier Tausende von Einheimischen und Touristen den Abend.

Lafarge gehörte seit Jahren zu den Sponsoren der populären Aktion. Lafarge, das eine der beiden Vorgängerunternehmen von LafargeHolcim stellt seit 2002 kostenlos den Sand zur Verfügung – 3000 Tonnen waren es letztes Jahr.

Paris sagt «Non merci»

Doch nun kündet Paris die Werbepartnerschaft  – weil LafargeHolcim bereit ist, Zement für die Grenzmauer von Donald Trump zu liefern.

Die Stadtregierung verzichte aus moralischen Gründen auf die Zusammenarbeit, liess sich ein Stellvertreter der Bürgermeisterin in verschiedenen Medien zitieren – «wegen des ethischen Engagements, welches die Bürger von der Stadt erwarten».

Ein heikles Thema

Ob LafargeHolcim tatsächlich beim Mauerbau in den USA mitwirkt, ist noch unklar. Der Zementkonzern hält sich die Möglichkeit offen. Er hat sich – gemeinsam mit 600 anderen Unternehmen – an der Ausschreibung für das Projekt beteiligt. Konzernchef Eric Olsen hat aber bislang vermieden, sich zum heiklen Thema zu äussern.

Falls LafargeHolcim bei Donald Trumps Prestigeprojekt mitmacht, könnte der Konzern sich weitere Probleme einhandeln. Emmanuel Macron, der Favorit für die französische Präsidentschaft, hat LafargeHolcim bereits gewarnt: Auch ein Privatunternehmen habe eine soziale Verantwortung, sagte Macron mit Blick auf ein mögliches Engagement.

Cemex verzichtet vorsorglich

LafargeHolcims grösster Konkurrent hat schon vorsorglich verzichtet. Die mexikanische Cemex werde nicht beim Projekt mitmachen, erklärte ihr Präsident Rogelio Zambrano zum Sender CNN. Auch die deutsche HeidelbergCement beteiligte sich nicht an der Ausschreibung.

Paris kann sich einfach erlauben, auf die Lieferung von LafargeHolcim zu verzichten. Die Stadt hat bereits entschieden, das Flussufer dieses Jahr mit Gras und Pflanzen zu begrünen, wie die Agentur Bloomberg berichtet: Für den Sand der Schweizer hätten sie also gar keine Verwendung.

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