Markus Hutter mag es gerne konkret. So braucht er nicht mit Worten zu sagen, dass er mit der von ihm ins Leben gerufenen «liberalen Wirtschaftsallianz für einen tiefen MWSt-Einheitssatz» zu einem politischen Höhenflug ansetzt. Der Geburtsort ist symbolisch genug - ein Konferenzsaal im Airport Conference Center in Zürich-Kloten mit Blick auf die startenden Flugzeuge.

Ebenso hat Hutter seinen letzten Nationalratswahlkampf in einem frisch renovierten Betrieb der familieneigenen Garagen-Gruppe lanciert. «Mein Werk» oder «unser Werk» lautet die indirekte Botschaft, die der Hausherr, der für weitere vier Jahre nach Bern möchte, dann doch in seinem Wahlaufruf zusammenfasst: «Achten Sie nicht auf das, was die Kandidaten sagen, sondern auf das, was sie tun.»

Als Mitinhaber einer KMU mit sechs Betrieben und über 150 Angestellten, als Vorstandsmitglied verschiedener Branchenverbände, als Vizepräsident des Kantonalen Gewerbeverbands Zürich, als Gründer und Präsident der Aktion Liberaler Aufbruch (ALA), als Nationalrat und Mitglied der Finanz- und der sicherheitspolitischen Kommission bringt Hutter einen genug grossen Rucksack mit.

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Der Leistungsausweis, Stellungnahmen sowie die Stossrichtung seiner insgesamt rund 50 parlamentarischen Vorstösse lassen keine Zweifel offen: Der 52-jährige Winterthurer verkörpert den klassischen Gewerbe- und Milizpolitiker.

Als Nachfolger von Nationalrat Ruedi Noser soll Hutter am 27. Juni zum Vizepräsidenten der FDP Schweiz gewählt werden und dafür sorgen, dass unternehmerisches Denken in der Führungsspitze der Partei nicht zum Erliegen kommt. Zwar war auch Noser KMU-Unternehmer, doch fühlte er sich durch die Konzentration auf ein paar wenige Kernthemen zunehmend eingeengt. Hutter hat damit kein Problem; zumindest ist er im Unterschied zu Parteikollegen wie etwa Otto Ineichen, Philipp Müller oder Filippo Leutenegger nicht durch öffentliche Kritik an Parteipräsident Fulvio Pelli aufgefallen.

Das mag wohl mit seinem ruhigen, eher integrierenden Charakter zusammenhängen, sicher aber auch mit den Erfahrungen, die Hutter auf der politischen Ochsentour vom Winterthurer Gemeinderat über den Zürcher Kantonsrat bis ins nationale Parlament gemacht hat: Dass Politik kein Dünnbrettbohren ist, sondern harte Arbeit bedeutet. «Unternehmer, gerade wenn sie quer in die Politik einsteigen, meinen, man könne hier auf Schnelle zum Erfolg kommen. Aufgrund dieser - falschen - Erwartungen sind viele dann frustriert, wenn sie sehen, wie schwierig es ist, etwas zu erreichen», sagt Hutter im Gespräch mit der «Handelszeitung».

System verinnerlicht

Er sagt dies locker. Denn er hat das Schweizer System, das von Kompromissen lebt, verinnerlicht, wenngleich er in der Finanzpolitik, in der Verkehrs- und Umweltpolitik, bei den Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und bei der Verteidigung der Grundrechte klar bürgerliche Positionen vertritt. «Im entscheidenden Moment muss man aber bereit sein, Hand für eine Lösung zu bieten, sonst haben wir am Ende nur Scherbenhaufen», beschreibt Hutter seine Haltung. Mit Bedauern stelle er jedoch fest, dass die Kompromissfähigkeit in den vergangenen Jahren abgenommen habe.

Wo Hutter aufs Ganze geht, ist die Mehrwertsteuer: Er will einen möglichst tiefen Einheitssatz, und das aufgrund der negativen Erfahrungen, die er als KMU-Unternehmer mit dem geltenden System macht. «Wenn eine Lösung kompliziert ist und zu Fehlern führt, muss man sie radikal ändern.»

Markus Hutter ist sich bewusst, dass diese Lösung nicht im ersten Schritt realisiert werden könne, «doch manchmal muss man den Stein weit werfen, um einen Veränderungsprozess in Gang zu setzen».

Zwei Seiten einer Medaille

Unternehmer und Politiker - für Markus Hutter sind das zwei Seiten einer Medaille. «Der Mittelstand, die KMU und allen voran die Familienbetriebe sind die tragenden Säulen unseres Staates, also ist es für mich ein Muss, dass wir uns für den Staat, die Gesellschaft und die Öffentlichkeit engagieren», sagt er.

Selbstverantwortung heisst im liberalen Credo Hutters klar auch Verantwortung für die anderen, deshalb auch sein Engagement zuerst im Militär, jetzt in der Politik und in den Verbänden. Beispielhaft sieht er dieses Prinzip in den KMU verwirklicht, in denen Betriebsinhaber in harten Zeiten Angestellte nicht einfach entlassen können, sondern möglichst lange zu beschäftigen versuchen, «da es ihre Leute sind, für die sie sich verantwortlich fühlen». Gerade eine solche Haltung mache die KMU und Familienunternehmen gerade heute zur «kollektiven Lebensversicherung für unser Land».

«Tragisch» findet es Hutter, dass nun ausgerechnet «Mittelstand und KMU die Zeche» für die Masslosigkeit in der Finanzindustrie bezahlen müssen. «Das schmerzt umso mehr, als wir als Familienunternehmer mit unserem eigenen Vermögen für unsere Handlungen gerade stehen müssen», meint er und ist überzeugt, dass es längst nicht so weit gekommen wäre, wenn sich die Banken an den Werten orientiert hätten, die in den KMU hochgehalten werden: «Nachhaltigkeit und das Bewusstsein, dass halt nicht alles machbar ist.»