1. Home
  2. Unternehmen
  3. Patienten fordern «fairen» Preis von Novartis

Pharma
Patienten fordern «fairen» Preis von Novartis

Novartis-Chef Joe Jimenez: Offenes Ohr für Kritiker seiner Preispolitik.   Keystone

Im Herbst kommt eine neue Gen-Therapie von Novartis gegen Blutkrebs auf den Markt. Eine US-Patientengruppe fordert jetzt vom Konzern «faire» Preise dafür – und stösst auf offene Ohren in Basel.

Von Marcel Speiser
am 22.08.2017

Man würde meinen, ein Manager wie Novartis-Chef Joe Jimenez hätte keine Zeit, auf Briefe zu antworten. Schon gar nicht auf ein Schreiben wie das von David Mitchell, dem Präsidenten der amerikanischen Patienten-Organisation «Patients For Affordable Drugs». Und doch hat er bereits eine Antwort erhalten.

Doch der Reihe nach. In seinem Brief, der letzte Woche in Basel eingegangen ist, bittet Mitchell Jimenez um ein Treffen. Er will den Novartis-Chef dabei dazu bringen, den Preis für ein neuartiges Medikament gegen Blutkrebs «fair» festzulegen. «Medikamente wirken nicht, wenn Patienten sie sich nicht leisten können», schreibt Mitchell.

Jimenez arrangiert Treffen mit dem Krebschef

Die neue Therapie könnte in den USA die Zulassung bereits im Oktober erhalten. Sie basiert auf gentechnologisch veränderten Immunzellen von Patienten. Sie werden so verändert, dass sie Krebszellen angreifen können. Sie ist die erste ihrer Art, die auf den Markt kommen soll.

Jimenenz hat Mitchell bereits geschrieben, wie das Pharma-Branchenportal «Fierce Pharma» schreibt. Er habe Bill Hinshaw gebeten, ein Treffen mit Mitchell zu arrangieren. Hinshaw leitet die Onkologie-Einheit von Novartis. Wann genau das Treffen stattfinden wird, ist nicht bekannt.

«Auf den Schultern der Steuerzahler»

Der Patienten-Aktivist weist Novartis darauf hin, dass die frühe Grundlagenforschung für das jetzt marktreife Medikament vom US-Steuerzahler finanziert worden sei. Bevor Novartis im Jahr 2012 die exklusiven Rechte an der Technologie gekauft hätte, seien bereits rund 200 Millionen Dollar in Forschung und Entwicklung investiert worden, so Mitchell.

«Novartis steht auf den Schultern der amerikanischen Steuerzahler.» Die grössten finanziellen Risiken hätte damit die Allgemeinheit geschultert. Novartis sei erst zur «Party» gestossen als bereits klar war, dass die neue Technologie vielversprechende Resultate liefern wird. Entsprechend trage der Basler Konzern nun eine besondere Verantwortung: Die neue Therapie müsse für alle, die von ihr profitieren könnten, erschwinglich sein.

800'000 Dollar?

Doch danach sieht es nicht aus. Zwar hat Novartis noch keine Angaben zum Preis für die neue Gen-Therapie gemacht. Aber Forschungschef Vas Narasimhan hat im Juni angedeutet, dass sich Novartis an den Preisen für Stammzellen-Transplantationen orientieren könnte. Solche Transplantationen können in den USA gerne einmal 800'000 Dollar kosten. Eine Sprecherin erklärte gegenüber «Fierce Pharma», Novartis sei sich «der Verantwortung bewusst, die innovative Therapie den Patienten zugänglich zu machen».

Video: Diese Technologien könnten das Leben der Menschen verlängern.

Anzeige