Für Versicherer sind sie zentral. Anlagechefs investieren die Millionen und Milliarden an Prämeineinnahmen an der Börse. Haben sie ein glückliches Händchen, bedeutet das erkleckliche Mehreinnahmen. Und das schlägt direkt auf den Gewinn durch – genau hier brillierte die Swiss Life in den vergangenen Jahren. Im Branchenvergleich erzielte sie auf ihren Anlagen von mehr als 150 Milliarden Franken überdurchschnittliche Renditen. In den ersten neun Monaten 2013 etwa waren es 2,7 Prozent. Und das ist der Verdienst von Patrick Frost.

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Nun wird dieser Finanzexperte neuer Konzernchef. Frost übernimmt am 1. Juli 2014 die Konzernleitung von Bruno Pfister, der die Swiss Life dann nach fünf Jahren an der Spitze verlässt. Es ist selten, dass es Anlagechefs – heute neudeutsch Chief Investment Officers oder CIO genannt – bis ganz an die Spitze schaffen. Sie wirken eher im Hintergrund, gelten als Techniker. Nach vorne geben eher Marketingleute den Versicherern ein Gesicht.

Schwerer akademischer Rucksack

Aber vielleicht ist genau jetzt die ideale Ausgangslage für einen wie Frost. Die Assekuranzbranche hat es nicht einfach, dies gilt umso mehr für einen reinen Lebensversicherer wie die Swiss Life. Sie investiert ihre Einnahmen vor allem in Obligationen und Immobilien. Bei den Anleihen ist bei den aktuell rekordtiefen Zinsen wenig zu holen. Und der Schweizer Immobilienmarkt ist fragil. Insofern braucht es in den nächsten Jahren viel Fingerspitzengefühl.

Das erwarb sich Frost. Der Basler kann einen schweren akademischen Rucksack vorweisen. Er studierte zuerst Naturwissenschaften an der ETH Zürich, dann Wirtschaft in Köln – und am Ende noch Recht in seiner Heimatstadt Basel. Dann begann Frost seine Berufskarriere, die ihn Stufe für Stufe höher führte. Mitte der Neunzigerjahre startete der heute 45-Jährige als Analyst und später Portfolio-Verantwortlicher bei der ehemaligen Winterthur Versicherung. Nach zwei Auslandjahren in den USA wurde er Chef der Obligationen-Anlagen.

Auch die Postfinance entdeckte ihn

2006 holte ihn die Swiss Life dann zu sich und machte ihn gleich zum Geschäfstleitungsmitglied. Nun wird er als 45-Jähriger die Gesamtleitung übernehmen. «Es freut uns sehr, mit Patrick Frost unseren neuen Konzernchef aus den eigenen Reihen nominieren zu können – dies auch als ein Zeichen der Kontinuität. Sein Erfolgsausweis im Asset-Management-Bereich, seine profunden Kenntnisse des Vorsorge- und Finanzmarkts, aber auch sein breiter Wissenshorizont sind Qualitäten, mit denen er Swiss Life erfolgreich in die Zukunft führen wird», kommentierte Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig nach der Ernennung.

Talent wird dem Wahl-Zuger auch anderswo attestiert: Die neu als Aktiengesellschaft aufgestellte Postfinance holte den verheirateten Vater einer Tochter kürzlich in den Verwaltungsrat. Nebenher engagiert sich Frost auch beim Zürcher Technopark – schliesslich hat er seine Wurzeln ja im Technischen. Jetzt als Chef von 7000 Mitarbeitenden muss er nur noch sein Verkaufstalent entdecken.