Die Casinobranche war in den letzten Jahren eine Goldgrube - genauso wie die Banken. Und Banken wie Spielbanken ist jetzt ein jämmerlicher Absturz gemein. Las Vegas befindet sich im tiefsten Sumpf. Letzten Dezember brachen die Umsätze um 23% gegenüber dem Vorjahr ein. Ähnlich düster sieht es in Atlantic City aus. Hier purzelten die Umsätze Ende Jahr um 19%. Und die drei Casinos des amerikanischen Immobilienmagnaten Donald Trump mussten Konkurs anmelden.

Verglichen mit solchen Zahlen herrscht in der Schweiz zwar noch beinahe eine heile Welt. Gerade mal um 2,7% auf 992 Mio Fr. gingen 2008 die Bruttospielerträge der Schweizer Casinos zurück. Doch düstere Wolken brauen sich auch hier zusammen.

Einen Vorgeschmack auf das, was kommen könnte, gibt die Situation im Tessin. Das Casino Admiral in Mendrisio, der ehemalige Umsatzprimus der Schweizer Glücksspielhäuser, ist 2008 mit einem Umsatzeinbruch von 20 Mio Fr. auf den dritten Rang zurückgefallen. In Lugano schrumpften die Umsätze gar um 26 Mio Fr. Man spüre nicht nur das strikte Rauchverbot seit April 2008. Auch die Rezession in Italien mache sich bemerkbar, sagt Hubertus Thonhauser, Verwaltungsrat der Casino Lugano SA. «Der Rückgang der Besucherzahlen war dabei weniger ausgeprägt. Allerdings hat das Ausgabenverhalten deutlich abgenommen», erklärt er.

Auch in Montreux fürchtet man die Finanzkrise. «Wenn die Leute weniger Kaufkraft haben, dann ist die Freizeit und mit ihr das Glücksspiel das Erste, was gestrichen wird», befürchtet Gilles Meillet, CEO des Casinos Montreux. Die Finanzkrise könne mit einem Minus von bis zu 8% zu Buche schlagen», prognostiziert er. Sein Haus hat zwar 2008 gut gewirtschaftet und löst Mendrisio als Branchenleader ab, doch sei dies vor allem der Tatsache zu verdanken, dass im Waadtland noch geraucht werden dürfe, so Meillet. «Ein Rauchverbot wird uns nach den Erfahrungen im Ausland Umsatzeinbussen von 13 bis 15% bescheren», warnt der Casino-Chef.

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Konkurrenz: Private Spielturniere

Sorgen macht man sich auch in der Nordschweiz. Zwar verzeichnete das Grandcasino Baden letztes Jahr sowohl einen Umsatzrekord wie auch einen Rekord bei den Besucherzahlen. Und auch die ersten Monate 2009 liefen laut CEO Detlef Brose budgetmässig. Doch die privaten Pokerspielturniere konkurrenzieren sein Geschäft mehr und mehr. Baden verdient mit Pokerturnieren beispielsweise 1,8 Mio Fr. jährlich. «Das Problem ist: Die Privaten müssen keine Spielbankenabgaben bezahlen. Die Casinos dagegen müssen für jedes Turnier sowohl eine Genehmigung verlangen wie auch diverse gesetzliche Auflagen einhalten», sagt Brose. Eine Klage des Schweizer Casinoverbandes ist deshalb beim Bundesverwaltungsgericht hängig. Eine Entscheidung wird in den nächsten Wochen erwartet.

Und seit neustem droht den Unternehmen auch von steuerlicher Seite her Ungemach. Der Bundesrat will die Sätze für Spielbankenabgaben bei den A- und B-Casinos angleichen - sprich für die A-Casinos erhöhen (siehe dazu auch Kasten). Er hat das Eidgenössische Justizdepartmenent Anfang Jahr mit einer Revision beauftragt. Für die A-Casinos würde dies bedeuten, dass sie künftig mehr als die heutigen 330 Mio Fr. an den Bund beziehungsweise den AHV-Fonds abführen müssten. Gesamthaft bezahlte die Branche Abgaben von 540 Mio Fr. Die eidgenössische Spielbankenkommission schätzt die Mehreinnahmen auf insgesamt 22 Mio Fr.

Mehr Abgaben verärgern Branche

Den Casinos stösst diese Idee sauer auf. «Wir müssten 4 Mio Fr. mehr an jährlichen Spielbankenabgaben bezahlen», rechnet Brose vom Grandcasino Baden. Hinzu käme, dass bereits die kalte Progression bei der Besteuerung seit dem Jahr 2002 nicht angepasst worden sei, womit sein Haus 2009 mit rund 2,5 Mio Fr. «zu viel» besteuert werde. Marc Friedrich, Geschäftsführer des Schweizerischen Casino Verbandes, schätzt, dass die Branche aufgrund der Progression in der Vergangenheit rund 90 Mio Fr. zu viel entrichtet habe, und wehrt sich deshalb nun gegen eine zusätzliche Angleichung der Besteuerungssätze.

Jean-Marie Jordan, der Direktor der eidgenössischen Spielbankenkommission, verteidigt indes die Revision. «Das Gesetz gibt vor, dass die Casinos eine ausreichende Rentabilität erzielen können, aber keine zu hohe», sagt er. Dies sei bei einer durchschnittlichen Eigenkapitalrentabilität (ROE) von 23,5% gegeben. Zum Vergleich: Die Schweizer Banken hatten in den guten Jahren einen ROE von 15,5%. Man sei zudem grosszügig vorgegangen. Aus den drei Szenarien - Harmonisierung der Abgabensätze ohne Erhöhung, Erhöhung der Sätze für A- und B-Casinos und starke Erhöhung der Sätze - habe man mit der Wahl der ersten Lösung die wirtschaftlich verträglichste gewählt. «Aber», gibt auch Jordan zu, «wir überprüfen die Situation regelmässig. In einigen Jahren müssen wir die Sätze vielleicht wieder senken.»