Auch wenn noch nicht alle Details bekannt sind, ist jetzt schon klar: Was sich die Post-Tochter Postauto in Sachen Buchhaltungstricks geleistet hat, beschädigt das Ansehen des Staatskonzerns nachhaltig.

Die gelben Postautos sind seit Jahrzehnten Ikonen der Schweiz: sympathisch, pünktlich, zuverlässig. Sie verkehren auch im hintersten Winkel der Schweiz – und sorgen so dafür, dass auch abgelegene Randregionen ans Schweizer ÖV-Netz angeschlossen sind. Schön und gut. Doch seit heute hat das Heile-Welt-Image der Postautos nicht bloss ein paar Kratzer. Es liegt in Trümmern. Die Schweizer Postautos waren ein Tummelplatz von Bilanz-Tricksern.

Freiheit im Umgang mit Steuergeldern 

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Das Staatsunternehmen Post erschleicht sich über Jahre mit seiner Tochter Postauto staatliche Subventionen. Das ist der Gipfel der Frechheit im Umgang mit öffentlichen Mitteln.

Und es geht keineswegs um Peanuts: Die unrechtmässig eingebuchten 78 Millionen Franken entsprechen knapp zehn Prozent des Umsatzes von Postauto. Und die Deliktssumme könnte noch steigen. In vielen Gemeinden fährt Postauto im Auftrag der Kantone – und diese fragen sich nun zurecht, ob auch bei ihnen geschummelt wurde. Zudem könnten auch auf Bundesebene weitere Buchungen – die Rede ist von 30 Millionen Franken – als deliktisch eingestuft werden.

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Richtig ist, dass Post-Chefin Susanne Ruoff durchgreift und Köpfe rollen lässt. Den bereits im Herbst auf April 2018 zurückgetretenen Postauto-Chef hat Ruoff subito vor die Tür gesetzt. Ebenso den Finanzchef der Tochterfirma.

Unangenehme Fragen muss sich auch Susanne Ruoff stellen

Damit ist es allerdings nicht getan: Ruoff als Chefin des Konzerns muss einerseits sicherstellen, dass bei der Tochter nun jeder Subventionsfranken zweimal umgedreht wird – schliesslich geht es um Steuergelder. Andererseits muss sie Massnahmen treffen, dass sich ähnliche Tricksereien nicht wiederholen können. Und sie muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen: Wie kann es sein, dass es bei der Mutter keinem Controller oder Finanzler aufgefallen ist, was für ein Spiel bei der Tochterfirma läuft? Nicht einmal, nicht während kurzer Zeit. Sondern während Jahren!

Die Aufarbeitung der Postauto-Affäre hat gerade eben begonnen.