Tausch ist das falsche Wort. Die Pelikan-Aktionäre verschenken die Hälfte ihres Aktienwertes, wenn sie das unterbreitete «Tauschangebot», 80 Diperdana-Titel gegen 1 Pelikan-Aktie, annehmen.

Immerhin kommt der einseitige Umtausch alles andere als klein gedruckt daher: «Das Angebot ist nicht angemessen, da es zu einer Verwässerung des inneren Wertes der Aktien führt», kommt die Treuhänderin BDO Visura in ihrem öffentlichen Gutachten zum Schluss. Für einen gleichwertigen Tausch müssten mindestens 100, besser aber 130 Diperdana-Aktien geboten werden. «Ein derart deutlich negatives Gutachten hatten wir noch nie», sagt Thilo Pachmann, Rechtskonsulent der Schweizerischen Übernahmekommission.

Bieter und VR in Personalunion

Stellt sich die Frage, warum der Verwaltungsrat ausser dem negativen Befund der Visura nur Vorteile aufzählt. Ganz einfach: Zwei der drei Pelikan-Verwaltungsräte sind Mehrheitsaktionäre. Sie werden die Kontrolle beim malaysischen Logistikunternehmen Diperdana erlangen, wenn sie die Pelikan einbringen.

Minderheitsaktionäre sollen mittelfristig davon profitieren: Erstens würden Pensionskassenverpflichtungen, die mit rund 100 Mio Fr. auf die Pelikan-Bilanz drücken, in einen Trust überführt und so das operative Geschäft entlasten. Zweitens könnte das komplexe Geflecht von Pelikan-Holdings in verschiedenen Ländern entwirrt und unter malaysischem Oberbefehl wieder wachstumsfähig gemacht werden. Drittens würden die in Malaysia kotierten Diperdana-Titel für Investoren langfristig attraktiver als die an der SWX gehandelten Pelikan-Aktien; eine vage Zukunftshoffnung, deren Bewahrheitung aber auch Visura nicht ausschliessen will.

Kurzum: Die beiden Mehrheitsaktionäre, Loo Hooi Keat und Mirzan bin Mahatir, wollen sich mit dem Transfer unternehmerischen Spielraum verschaffen, um die kaum profitable Pelikan-Beteiligung rentabel zu machen. Der Deal steht, wenn ihr derzeitiges Paket von knapp 65 auf über 80% der Aktien anwächst. Damit es so weit kommt, müssen die Minderheitsaktionäre rund die Hälfte ihrer Aktien gegen Diperdana-Titel eintauschen.

Angesichts der jahrelangen Vorbereitungen des Deals ist zu erwarten, dass die Mehrheitsaktionäre ihr Angebot aufpolieren, wenn sie die angestrebte Mehrheit bis am 31. März 2005 verfehlen sollten.

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Sprung nach Asien

VR-Sprecherin Franke Wandrey betont, dass die Pelikan-Holding offiziell keine Empfehlung zum Tausch abgeben dürfe. Jedenfalls will man dort nicht mit einer Zurückweisung des Angebotes rechnen. Man verweist lieber auf die Chancen, die der Tausch den Aktionären bietet: Zum Beispiel zum seit Jahren erhofften Sprung nach Asien.