Die letztjährigen Verluste auf den Anlagen und die daraus folgende starke Reduktion des Deckungsgrads verunsichern die Pensionskas-senverantwortlichen und die Destinatäre gleichermassen. Eine stetige Verzinsung der Aktiven und geringere Schwankungen des Deckungsgrads sind aus verschiedenen Gründen wünschenswert.

Einerseits werden Pensionskassenverpflichtungen mit einem von der Kapitalmarktsituation unabhängigen konstanten Zinssatz (technischer Zins) bewertet. Andererseits möchte das der Pensionskasse zugewandte Unternehmen seine Pensionskassenverpflichtungen möglichst genau budgetieren können. Insbesondere für international rapportieren-de Firmen können starke Schwankungen des Deckungsgrads unangenehme finanzielle Konsequenzen haben.

Bandbreiten unterschritten

Ursache für die aktuellen Deckungslücken ist vorwiegend die Entwicklung an den Finanzmärkten. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass für die erforderliche Sanierung zukünftig positive Anlageerträge vorausgesetzt werden, denn bei deren Ausbleiben würde die Sanierung zumindest den geplanten Zeithorizont sprengen. Auf lange Sicht sind diese Erwartungen sicherlich gerechtfertigt. Zentral ist jedoch, dass die Anlagestrategie schon heute auf die veränderte Risikofähigkeit der Pensionskasse und die Risikobereitschaft des Stiftungsrats abgestimmt wird (Asset Liability Management). Dabei liegt der Schwerpunkt auf einer breiten Risikostreuung. Besonders geeignet für die angestrebte Rendite-/Risikooptimierung sind neuere Anlagemöglichkeiten, die mit den bereits in der Strategie berücksichtigten Anlagekategorien wenig korrelieren. Dazu eignen sich insbesondere alternative Anlageformen wie beispielsweise Insurance Linked Securities oder Infrastrukuranlagen. Aber auch traditionelle Anlagen wie Hypotheken und Immobilien dürften wieder vermehrt Beachtung finden.

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Wie kann aber künftig ein rasches Absinken des Deckungsgrads verhindert werden? Die Pensionskassenverantwortlichen werden wohl überlegen müssen, die Anlagestrategie deckungsgrad- bzw. risikobudgetabhängig umzusetzen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Eine Erkenntnis aus der Finanzkrise ist für viele Pensionskassenverantwortliche, dass ein allzu starres Festhalten an einer gewählten Strategie mit engen Bandbreiten gerade in turbulenten Phasen nicht optimal ist. Deshalb wurden im letzten Jahr beispielsweise die unteren taktischen Bandbreiten für Aktienanlagen temporär ausser Kraft gesetzt. Es stellt sich die Frage, ob ein ähnliches Verhalten systematisch eingesetzt werden könnte.

Puffer für risikoreichere Anlagen

Beim risikobasierten Asset Management für Pensionskassen wird der Deckungsgrad einer Pensionskasse systematisch kontrolliert, indem eine Vermögensuntergrenze bestimmt wird, die nicht unterschritten werden soll. Das übersteigende Vermögen (Puffer) steht für risikoreichere Anlagen zur Verfügung. In steigenden Marktphasen erhöht sich der Puffer und somit das Exposure beispielsweise in Aktien. Reduziert sich der Puffer, wird auch die Aktienquote reduziert, sodass die vorher bestimmte Vermögensuntergrenze nicht unterschritten wird. Die Umsetzung kann kostengünstig und effizient mittels passiven Produkten erfolgen.

Die Risikobudgetvorgaben erhöhen zwar die Komplexität der Vermögensbewirtschaftung und die Anforderungen an den Vermögensverwalter, andererseits wird damit sichergestellt, dass auch kurzfristig das Anlagerisiko in Abhängigkeit vom vorhandenen Risikobudget gesteuert wird. Die Entscheidungsträger können so ihre anspruchsvollen Führungsaufgaben im Anlagebereich noch besser wahrnehmen.