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Pensionskassen fürchten mehr Kosten durch Abzocker-Initiative

Der Pensionskassenverband rechnet bei Annahme der Initiative mit Mehrkosten. (Bild: Keystone)

Die Abzocker-Initiative verlangt von den Pensionskassen, ihr Stimmrecht an Generalversammlungen zwingend wahrzunehmen. Diese erwarten deswegen höhere Kosten. Die Initiative-Befürworter zweifeln an den

Veröffentlicht am 14.01.2013

Die Pensionskassen fürchten, dass ihre Kosten bei einer Annahme der Abzocker-Initiative steigen würden. Das Volksbegehren verlangt, dass die Kassen ihr Stimmrecht an Generalversammlungen wahrnehmen müssen.

Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP geht davon aus, dass eine durchschnittliche Kasse rund 50 bis 100 Schweizer Aktientitel im Portfolio hat, wie Direktor Hanspeter Konrad auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Wenn sich die Vorsorgeeinrichtung mit allen Traktanden dieser Unternehmen befassen müsste, würde dies nach Schätzung des ASIP einen Aufwand von 150 bis 300 Stunden zur Folge haben.

Angaben zur Höhe der zusätzlichen Verwaltungskosten, die dadurch entstehen würden, macht der Verband nicht. Auf die Versicherten hätte die Annahme der Initiative keine direkten Auswirkungen, sagte Konrad. Allenfalls müssten sie mittelfristig mit einer tieferen Rendite rechnen.

Christoph Ryter, ASIP-Präsident und Leiter der Migros-Pensionskasse, hofft auf ein Nein zur Initiative. «Es widerspricht meinem Verständnis von sozialpartnerschaftlicher und kostenbewusster Führung einer Kasse, auf diesem Weg einen Stimmrechtszwang einzuführen», erklärte er im «Blick».

Die Befürworter der Initiative zweifeln an den Schätzungen des ASIP. «Die Zahlen sind völlig aus der Luft gegriffen», sagte Mitinitiant Claudio Kuster auf Anfrage der sda. Er räumte ein, dass die Verwaltungskosten für die Pensionskassen steigen könnten. Der zusätzliche Aufwand sei aber kleiner als der Schaden, den die Kassen hätten, wenn ein Unternehmen nicht nachhaltig geführt werde.

Wechsel zu indirekten Anlagen

Gemäss dem Präsidenten der Kammer der Pensionskassenexperten, Stephan Wyss, würden die Pensionskassen dem höheren Aufwand ausweichen. «Eine Annahme der Initiative würde dazu führen, dass Pensionskassen vermehrt zu indirekten Vermögensanlagen wechseln, weil dort der Aufwand für sie geringer ist.» Als Beispiel nennt er Anlagefonds.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Delegation des Stimmrechts an unabhängige Stimmrechtsvertreter oder Anbieter von Aktionärsdiensten, etwa die Anlagestiftung Ethos. Von dieser Möglichkeit machen heute bereits einige Pensionskassen Gebrauch. Für die Delegation des Stimmrechts müssen die Kassen allerdings eine Gebühr bezahlen.

Der indirekte Gegenvorschlag zur Initiative sieht keinen Stimmzwang vor. Er fordert lediglich, dass die Pensionskassen ihr Stimmrecht «sofern möglich» ausüben sollen. Damit würde sich gegenüber der heutigen Regelung nicht viel ändern, sagte Stephan Wyss. «Das entspricht im Prinzip dem heutigen Stand.»

Anderer Meinung ist ASIP-Direktor Hanspeter Konrad. Er erwartet, dass die Pensionskassen häufiger an Generalversammlungen abstimmen würden. Schliesslich verlange der Gegenvorschlag, dass die Kassen die Aktionärsrechte im Sinne der Versicherten wahrzunehmen haben.

(rcv/tno/sda)

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