Schaumweine werden in Italien in verschiedenen Regionen hergestellt. Leider bürgen gerade die bekanntesten Spumante-Weine nicht für Qualität. So ist ein Grossteil der in letzter Zeit enorm populär gewordenen Prosecco-Schaumweine seinen Preis nicht wert. Und der süsse, aus der Moscato-Traube gewonnene Asti Spumante hat zwar eine glorreiche Vergangenheit, aber heute ist er vorab ein in Grosstanks vergorenes Industrieprodukt, das in Supermärkten verkauft wird und rund um den Globus eine anspruchslose Klientel beglücken soll.

Bessere Qualität liefern da kleinere und zumindest hierzulande weniger bekannte Gebiete wie Franciacorta (westlich von Brescia), das Trentino und das Südtirol. Wenn von Schaumweinen in letztgenannter Region die Rede ist, dann kommt man nicht darum herum, von Joseph und Marianne Reiterer und ihrer unweit von Bozen auf 1200 m Höhe im Bergdorf Mölten gelegenen Sektkellerei Arunda zu sprechen. Mit jährlich 800000 Flaschen erzeugen sie nicht weniger als die Hälfte der Südtiroler Schaumweine, die nach dem klassischen, in der Champagne erfundenen Verfahren der Flaschengärung (Metodo classico) gekeltert werden.

Start in einer schwierigen Zeit

Mölten liegt auf der sonnenexponierten Hochebene des Tschöggelbergs und ist von Terlan im Etschtal über eine kurvenreiche Strasse zu erreichen. Dominieren zunächst die Rebberge, so weichen diese bald grünen Wiesen, saftigen Weiden und ausgedehnten Waldstücken. Am Ziel angelangt, einem massiven Chaletgebäude oberhalb des Dorfzentrums, erwartet man eher eine Käserei oder eine Spezialitätenmetzgerei als eine Weinkellerei.

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Genau hier keltert Sepp Reiterer seine gefragten Schaumweine. «Alles begann 1976 mit der versuchsweisen Versektung von 300 Flaschen Weissburgunder», erzählt Reiterer beim Rundgang durch die Kellerräume. Reiterer, der als Bauernsohn in Mölten aufgewachsen war und sich in Deutschland zum Önologen ausgebildet hatte, arbeitete damals als Berater einer Firma für Kellereibedarf in Mailand. Doch er trug sich mit dem Gedanken, in seine Heimat zurückzukehren und selbst in die Weinproduktion einzusteigen. «Es waren schwierige Zeiten», erinnert sich Reiterer. «Die Boomjahre der Kalterersee-Weine waren vorbei. Das einzige, was in Frage kam, war auf Qualität zu setzen und sich mit einem hochwertigen, veredelten Produkt zu profilieren.» Drei Jahre nach den ersten Versuchen war der Entscheid gefällt: Marianne und Sepp Reiterer gründeten ihr eigenes Unternehmen und benannten es nach dem Arundakopf, einem unweit von Müstair gelegenen, 2879 m hohen Berg.

Knapp 30 Jahre sind inzwischen vergangen. Hatte es zu Beginn eine gute Portion Mut, Risikobereitschaft und Experimentierfreude gebraucht, um in einem abgelegenen Bergdorf mit von Vertragswinzern gekauften Trauben und Grundweinen flaschenvergorene Schaumweine zu keltern, so wird Reiterer mittlerweile als «eine historische Figur in der Spumante-Welt Südtirols» (so der Weinführer «Gambero Rosso») gefeiert. «Jedes Jahr konnten wir ein bisschen zulegen», sagt Reiterer zufrieden. Obwohl die Arunda-Sekte heute bis nach Japan, Indien und Brasilien geliefert werden, hat sich im Betrieb nicht allzu viel verändert.

Noch klassisch am Rüttelpult

Nach wie vor werden die in den Rüttelpulten steckenden Flaschen von Hand bewegt, damit der Hefesatz der zweiten Gärung sich im Flaschenhals konzentriert. «Vorläufig schaffen wir es noch, alle Flaschen von Hand zu rütteln. Sollte die Produktion dereinst 100000 Flaschen pro Jahr übersteigen, müssten wir wohl zumindest bei einem Teil der Produktion auf ein mechanisches Remuage-System umstellen», meint Reiterer.

Sechs verschiedene Schaumweine mit unterschiedlichen organoleptischen Profilen umfasst die Arunda-Palette. Drei davon sind hierzulande erhältlich (siehe Kasten). Neben den beiden klassischen Champagner-Sorten Chardonnay und Pinot noir versekten die Reiterers auch Weissburgunder, eine Sorte, die im Südtirol besonders gut gedeiht. Alle sechs Weine sind das Resultat einer strengen Selektion der Grundweine, die von Vertragswinzern im Südtirol erzeugt werden, und einer sorgfältigen Zusammenstellung der Cuvées für die Versektung in der Flasche. Mindestens 24 Monate ruhen danach die Weine auf der Hefe (bei den Riservas kann das bis zu fünf Jahre dauern), bevor sie degorgiert werden und – je nach Produkt – mit einer Versanddosage angereichert in den Verkauf gelangen.

 

SCHAUMWEIN AUSWAHL

Arunda Brut(50% Chardonnay, 30% Weissburgunder, 20% Pinot noir): Fruchtiges Bouquet mit dezenten floralen Noten. Im Gaumen saftiger, perliger Auftakt, ausgewogene Aromatik, trocken, schöne Länge. Aperitifsekt (20 Fr.).

Arunda Blanc de Blanc Extra Brut(100% Chardonnay): Zarte, fruchtige Nase mit Aromen von weissen Blüten. Mittelgewichtiger, feingliedriger Körper, frische Säure, gehaltvoll-cremig. Subtiler Begleiter von Fisch und Gemüsegerichten (26 Fr.).

Arunda Riserva Extra Brut 2003(60% Chardonnay, 40% Pinot noir): Expressives, reichhaltiges Bouquet mit dezenten Hefenoten. Im Gaumen gute Fülle, lebendige, prickelnde Frische. Begleiter zu Fischen, Meeresfrüchten und weissem Fleisch (26 Fr.).